Regionalmanagement Thüringer Bogen:
Die Sanierung der Albertbrücke in Dresden liegt etwa ein Jahrzehnt zurück. Damals wurde auch das historische Geländer aufgefrischt, eine überaus filigrane Konstruktion aus Gusseisen. Dabei mussten Teile ersetzt werden, die dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen waren. Die Gießereimodelle dafür wurden in einem kleinen Familienunternehmen in Arnstadt gefertigt, im Modellbau Geuer. Dass er seinen Anteil an dieser Arbeit hat, kann Christian Stonek nicht immer so frank und frei erzählen. Denn Formwerkzeuge, die der Urenkel des Firmengründers Theodor Geuer baut, sind auch für Produkte in sensiblen Bereichen. Denn zu seinen Kunden gehören Entwicklungsabteilungen aus der Automobilindustrie und Unternehmen, die in der Luft- und Raumfahrt tätig sind. Da sei natürlich Geheimhaltung unabdingbar, sagt Stonek.
Nach dem zweiten Weltkrieg begann für viele eine Zeit der Neuorientierung, auch für Theodor Geuer. Er entschied sich eine Firma zu gründen, die Modelle für Gießereien baut. Mit gutem Grund. Ein solches Unternehmen war in Arnstadt ansässig, somit war die Nachfrage nach Formwerkzeugen garantiert. Gemeinsam mit seinem Sohn Theodor Junior startete er im Januar 1946 in die Selbständigkeit. Damit begann eine acht Jahrzehnte andauernde Erfolgsgeschichte. Und dass dieses Unternehmen sich auch in Zeiten turbulenter Märkte behauptet, lässt Stonek gelassen in die Zukunft blicken. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt er. Die Fertigung von Gießereimodellen ist zwar immer noch Herzstück der Firma, die allerdings ebenso erfolgreich auf weiteren Produktionsfeldern agiert. Dazu gehöre Formenbau, zählt der Junior-Chef auf, die Herstellung von Lehren nach Kundenvorgaben und Stahlbearbeitung in Lohnarbeit.
Modelle für Gussteile werden bei Geuer in Arnstadt für Unternehmen in ganz Deutschland gefertigt. Das sei von Anfang an so gewesen, erklärt Christian Stonek. „Damals natürlich innerhalb der Grenzen der DDR, doch mit der Wiedervereinigung haben wir rasch Aufträge von Kunden in der gesamten Republik bekommen.“ Aktuell ist Mutter Ilona Inhaberin und Geschäftsführerin des Familienbetriebes. Sohn Christian und ein Mitarbeiter kümmern sich um die Aufträge. Mehr als sieben Mitarbeiter hatte Modellbau Geuer nie auf seiner Lohnliste. Das schützte in DDR-Zeit möglicherweise vor zwangsweiser Verstaatlichung. Christian Stonek wird in vierter Generation das Unternehmen übernehmen. Nach Abitur und Wehrdienst hat sich der Arnstädter entschlossen, die Familientradition weiterzuführen, hat Technischer Modellbauer gelernt, den Meistertitel erworben und Verantwortung übernommen.
„Ich hoffe, dass mein Sohn das auch einmal so sehen wird“, blickt er voraus. Immerhin bestimmt in seinem Handwerk Vielfalt den Arbeitsalltag. Immer wieder neue Herausforderungen seien zu bewältigen“, erklärt Stonek. Für den Wandel in der Branche spricht auch der Maschinenpark, den mehr und mehr computergestützte Anlagen mit CAD/CAM Software bestimmen. Unternehmen wie Modellbau Geuer haben Zukunft, weil „wir als kleines Unternehmen schneller und gezielter auf Kundenwünsche und Änderungen eingehen können – und das ohne unnötige Bürokratie. Diese flachen Strukturen ermöglichen uns zügig zu reagieren und anpassungsfähig zu sein.“ Dabei hofft Christian Stonek darauf, dass im Land tatsächlich ein Abbau der Bürokratie stattfindet. „Wenn das einher geht mit deutlicher Wertschätzung des Handwerks, sind wir auf einem guten Weg.“
Foto: Christian Stonek bei der Arbeit | © Simmen