Regionalmanagement Thüringer Bogen:
Da fährt ein Schwabe regelmäßig auf der 71 durch Thüringen. Kommt die Autobahnabfahrt Arnstadt-West in Sicht, setzt er den Blinker und steuert auf die Landstraße. Zielstrebig lenkt er sein Auto in Richtung Siegelbach, wo er vorm Restaurant Triglismühle stoppt. Dort wird er als Stammgast freundlich begrüßt, bestellt, wie immer, Roulade mit Klößen. Das, sagt er, müsse einfach sein, wenn ihn der Job nach Thüringen führt. Nach dem Verzehr fährt er bei Ilmenau wieder auf die Autobahn, Richtung Heimat. Weil das Team der Triglismühle durchgehend warme Speisen vorhält, ist der schwäbische Anhänger Thüringer Küche bei seinem kulinarischen Stopp in kein Zeitkorsett gezwängt.
Dass hier während der Öffnungszeiten das komplette Angebot auf der Speisekarte zur Verfügung steht, gehört vom ersten Tag an zur Philosophie von Anne-Marie und David Parsche. Am 1. Mai 2022 startete das Ehepaar mit der Triglismühle in die Selbständigkeit, mitten in der Corona-Pandemie. Trotz aller Widrigkeiten: Koch David setzte seine Vorstellung von regionaler Küche um, seine Frau sorgte für unaufdringliche Gastlichkeit. An historischer Stelle übrigens, denn in diesem Jahr kann das Wirtshaus auf 190 Jahre Schankrecht blicken. Der junge Mann ist felsenfest davon überzeugt, dass die Thüringer Küche ihren festen Platz in der kulinarischen Welt Europas hat. Vorausgesetzt, ihre Tradition wird gepflegt. Deshalb legt der Koch großen Wert auf die saisonale Abfolge der Produkte, bringt allein auf die Teller, was er in der Mühlen-Küche in diversen Töpfen und Pfannen selbst bereitet hat. Roulade anzubieten, die er nicht eigenhändig gefüllt und gewickelt hat – ein Unding für ihn. Gegen den Trend schlägt der Koch seine Sauce Hollandaise frisch auf. Das Tütenprodukt sucht man in der Triglismühlen-Küche vergebens, glücklicherweise.
Nicht nur die Qualität der Original Rindsroulade überzeugt mittlerweile Gäste aus weiten Teilen Thüringens und sogar darüber hinaus. „Hier finden sie, was die Küche im Freistaat ausmacht“, sagt Anne-Marie, die sich ums Restaurant und das Hotel kümmert. Direkt am Gera-Radweg gelegen, unweit der Reinsberge ist die Triglismühle für Touristen ein beliebtes Ziel. Von alters her nutzen Reisende das Gasthaus an der Straße von Arnstadt via Plaue nach Ilmenau für eine Rast. Gemeinsam mit der Gemeinde arbeiten die Wirtsleute daran, dass am Haltepunkt Siegelbach bald schon wieder ein Zug hält. Auch auf diese Weise kommen dann Gäste ins Restaurant. „Dem tragen wir Rechnung“, sagt David Parsche. Die beiden Gastronomen haben den großen Biergarten auf Vordermann gebracht, einen hübschen Spielplatz bauen lassen. Gastronomisch bitten sie zu Tisch, wenn der Spargel gestochen wird, bereiten mit ersten Pfifferlingen die Herbstsaison vor, wo leckere Wildgerichte auf der Karte stehen. Rundum Wohlfühlen sollen sich die Gäste, egal welche Spezialität gerade im Fokus steht. Dazu gehört auch, dass Klöße oder Sauce auf Wunsch nachgereichet werden, kostenfrei versteht sich.
Neben den Inhabern kümmern sich sechs Mitarbeiter ums Wohl der Gäste, darunter auch Auszubildende – für Service und Küche. Der Lehrling am Herd hat ein Praktikum im Haus gemacht und ist zur Kochausbildung geblieben. Das Paar würde gern mehr Nachwuchs ausbilden, allerdings fehlt’s an Bewerbern. „Die Arbeitszeiten schrecken ab“, sagt Anne-Marie und ihr Mann ergänzt: „Unser Arbeitstag beginnt vor acht Uhr und endet gegen 22 Uhr. Länger dauert es gar, wenn die Triglismühle Familien- oder Firmenfeiern ausrichtet. Gäste auf diese Weise zu versorgen, fordert viel Einsatz. „Wenn Touristen zu Hause von unserem Essen schwärmen“, sagt der Koch, „dann haben wir doch auch etwas für den Ruf unseres Bundeslandes getan. Und das hat Thüringen verdient!“ Übrigens soll der Name für die historische Mühle auf drei Esel zurückgehen, die dereinst das Mahlgut im Karren herangeschafft haben sollen.
Landgasthaus Triglismühle
Siegelbach 51
99310 Arnstadt
03628-78153
Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag: geschlossen
Mittwoch, Freitag, Samstag: 11 – 21 Uhr
Donnerstag, Sonntag: 11 – 14 Uhr
Foto: Der Innenraum der Triglismühle | © Anne-Marie Parsche