Regionalmanagement Thüringer Bogen:
Das ist doch was: Im Führerstand der Thüringer Waldbahn sitzen und das Gefährt den Schienenweg entlang in Richtung Bad Tabarz steuern. Das ist übrigens ein gefragtes Angebot des Unternehmens. Mittlerweile befördert die Thüringer Waldbahn und Straßenbahn Gotha GmbH auf der Linie 4 nach Waltershausen oder Bad Tabarz und retour im Jahr 2,6 Millionen Fahrgäste, Tendenz steigend. „Damit sind wir gut aus dem Loch gekommen, in das wir durch Corona gerutscht sind“, sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Koch. Man möchte meinen, dass der Beruf des Straßenbahnfahrers gefragt ist. „Stimmt auch“, weiß Koch, „allerdings klingt bei nicht wenigen Kandidaten die Begeisterung rasch ab, wenn von Schichtarbeit und Sonn- und Feiertagsdienst die Rede ist.“ Ein Problem, mit dem viele Branchen zu kämpfen haben, in denen Freitag zum Feierabend nicht die Klappe fällt. Ungeachtet dessen finden sich immer wieder junge Leute, die an diesem Beruf Spaß haben.
„Deshalb beteiligen wir uns gern am Tag der offenen Firmen in Gotha“, erklärt der Geschäftsführer. Mehr als zehnmal schon habe sich der Verkehrsbetrieb in diesem Rahmen für Interessenten geöffnet. Auch in diesem Jahr, am Samstag, 29. August, ist er wieder mit dabei. „Wir ermöglichen den Blick hinter die Kulissen, was nicht nur künftige Auszubildende interessiert“, erklärt Koch. Um letztere kümmern sich Lehrlinge im Fahrdienst aus dem zweiten und dritten Lehrjahr, die mit den jungen Besuchern auf Betriebsrundgang gehen. „Die sprechen die Sprache der jungen Leute, das kommt gut an“, sagt Klaus Rennau, Bereichsleiter bei der Thüringer Waldbahn. Besonderes Interesse dürfte dabei der Fahrsimulator erfahren.
Vielfältig sind die Berufe, die im Verkehrsbetrieb nachgefragt sind. „Leider bilden wir nur Fachkräfte im Fahrbetrieb aus, für die anderen Berufe fehlt uns dazu schlicht die Kapazität“, bedauert Geschäftsführer Koch. Deshalb müssen Fachkräfte für Elektrik oder Gleisbau auf anderem Weg gesucht werden. „Nach einer Betriebsbesichtigung – auch zum Tag der offenen Firma – hat sich mehrmals schon ein Arbeitsverhältnis ergeben. Nicht jedes Jahr, aber einige Male resultierte aus der Veranstaltung eine Bewerbung oder konnte ein Lehrvertrag abgeschlossen werden“, fügt Rennau hinzu. Im August starten drei Lehrlinge im Fahrbetrieb ihre Ausbildung.
In diesem Jahr fällt der Blick ins hauseigene Museum aus. Dort gab es einen Wasserschaden, der gegenwärtig beseitigt wird. „Beim Blick in unsere Werkstatt oder in die Straßenbahnzüge können trotzdem spannende Einblicke gewonnen werden“, sagt Karl-Heinz Koch. Im nächsten Jahr dann dürfte die neue, moderne TRAMLINK Straßenbahn der Glanzpunkt beim Tag der offenen Tür in der Waltershäuser Straße sein. Gegenwärtig verkehren auf dem Schienennetz der Wald- und Straßenbahn Gotha neun Fahrzeuge im Linienverkehr. Insgesamt verfügt der Betrieb über drei Mannheimer und sechs Basler Straßenbahnen sowie neun Tatrazüge.
Die Veranstaltung des Wirtschaftsförderungsamtes Gotha startete 2011 zum ersten Male und erwies sich gleich als Volltreffer. Sie zieht regelmäßig viele Besucher an und wird besonders von jungen Leuten genutzt, die sich für eine Berufswahl entscheiden müssen. Lediglich Corona sorgte 2020 und 2021 für eine Zwangspause. 2026 öffnen 14 Firmen ihre Türen für neugierige Besucher.
Foto: Klaus Rennau (l.) und Karl-Heinz Koch | © Simmen