Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Ein Mauerkonzert mitten in Thüringen weckt im Jahr 2026 wohl kaum bange Erinnerung. Auch wenn es um Steine geht, mit denen besagte Mauer wieder aufgebaut werden soll. Allerdings hat die zum Pfarrhaus in Geraberg gehörende keine trennende Funktion. Im Gegenteil: Sie wieder im originalen Zustand erstehen lassen, vereint viele Menschen in Geraberg und Umgebung. Bereits das dritte Mauerkonzert Ende Juni brachte erneut Spendengelder für das ehrgeizige Objekt. Mit dabei bei dieser Veranstaltung war auch Erdmann-Johannes Steffani mit seiner Rock- und Pop-Band. Für den engagierten Mann ist’s keine Frage, in seiner Heimatregion Flagge zu zeigen. Jedoch hat er noch weiteres Interesse das Projekt Mauerbau voranzutreiben. Steffani ist verantwortlicher Architekt für dieses Projekt der Kirchengemeinde Geraberg.

Die Projekte seines Architekturbüros in Ilmenau reichen vom Eigenheim bis zu Pflegeheimen und Kindergärten. Sanierungsarbeiten an kirchlichen Gebäuden oder aber auch An- und Neubauten in diesem Bereich sind dem Ilmenauer Herzensangelegenheit. Die reiche Kirchenlandschaft Thüringens ist Kulturträger, Erinnerungsort und Zeugnis vergangener Gemeinschaft. Wer sich, wie Erdmann-Johannes Steffani, damit beruflich auseinandersetzt, weiß, wie schwer dieses Erbe wiegt. „Sanierungsarbeiten an historischen Gebäuden bergen fast immer Überraschungen. Verborgene Schadbilder und statische Probleme stellen uns vor unerwartete Herausforderungen.“ Und die verteuern das Projekt oftmals deutlich. „Dann zeigt sich, wie gut die Gemeinschaft funktioniert“, sagt der Architekt. Er verweist auf die Mauer ums Pfarrhaus Geraberg, wo der Einsatz vieler die Sanierung überhaupt erst möglich machte. „Und das sind nicht nur die Mitglieder der Kirchengemeinde. Hier spenden oder helfen auf andere Weise Menschen, die mit der Kirche gar nichts am Hut haben.“

Die Geraberger setzen auf Benefizkonzerte, für die St. Jakobuskirche in Ilmenau gründeten engagierte Gemeindemitglieder eine Stiftung. Sie soll helfen, das für die Stadt bedeutsame Kirchengebäude als geistliches und spirituelles Zentrum zu erhalten. Doch die Stiftung sieht ebenso vor, das Haus als einen Ort von Musik und Kunst und Begegnungen zu nutzen. Erdmann-Johannes Steffani ist übrigens stellvertretender Stiftungsvorsitzender, eines von mehreren Ehrenämtern, die er ausübt.

In Ilmenau hat er mit seinem Team den Anbau am Gemeindehaus „Güldene Pforte“ verantwortet, das Büro gestaltete das Außengelände vom Kindergarten St. Martin, der zudem erweitert und umgebaut wurde. In Angelroda, Bittstädt, Elgersburg, Heyda und Liebenstein hat das Team die Kirchensanierung übernommen – um nur einige Beispiele zu nennen. Eine Zeitlang machten Pflegeheime einen bedeutenden Arbeitsanteil aus. So projektierte das Ilmenauer Architektenbüro das Martin-Luther-Haus in Erfurt und das Gebäude am Topfmarkt in Ilmenau, letzteres zusammen mit dem Ilmenauer Architekten Norbert Ruge. „Mittlerweile hat sich das Gewicht zugunsten von Kindergärten verschoben“, erklärt Steffani. In Gräfenhain und Ichtershausen entstanden neue Kindergärten, in Gräfenroda plante sein Büro den Umbau. Egal ob Seniorenresidenz oder Kindertagesstätte, vom Planer wird eine präzise, funktionale Planung erwartet, die auf Nutzerfreundlichkeit und klare Raumstrukturen setzt. Das Ilmenauer Architekturbüro setzt bei seinen Projekten auf regenerative Energien. Mit seiner Arbeit bewahrt Steffani das Bild seiner Heimat und verändert es gleichzeitig. Dabei zeigen er und seine Kollegen Respekt vor den gewachsenen Strukturen nicht nur in kirchlichen Räumen. Was bewahrt werden kann, wird sorgsam erhalten. Wo Neues entsteht, scheut sich der Architekt nicht vor modernen Ergänzungen, vor zeitgemäßer Formensprache.

Foto: Architekt Erdmann-Johannes Steffani mit Dominique Reichardt und Kathy Neues (v.r.). Sabine Sinzinger und Gabriel Urban als freier Mitarbeiter (nicht im Bild) vervollständigen das Team. | © Simmen