Friedenstein Stiftung Gotha:

Ausgrabungsstelle statt Staatskanzlei, Hammer anstelle von Aktenmappe. Auf seiner Tour durch den Landkreis Gotha hat der Thüringer Ministerpräsident Mario Voigt auch Station auf dem Bromacker gemacht. Die Direktoren und Leiter der am BROMACKER-Projekt beteiligten Institutionen begrüßten den Landeschef an der weltweit bedeutenden Fossillagerstätte, an der erst vor wenigen Wochen die diesjährige Sommergrabung sehr erfolgreich zu Ende gegangen ist.

Mit über 300 Funden haben die Wissenschaftler:innen wieder neue wertvolle Einblicke in ein Ökosystem vor 294 Millionen Jahren gewonnen. Einige der gerade frisch entdeckten Fossilien konnte der Ministerpräsident bei seinem Besuch selbst in Augenschein nehmen. Spektakulär in diesem Jahr war unter anderem die Freilegung eines neuartigen Grabgangs eines kleinen Ursauriers sowie die Entdeckung von zwei kleinen Schädeln und eines seltenen Tausendfüßers.

Die Grabung 2026 war die erste, welche durch das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten gefördert wurde, nachdem Ende 2025 die Förderung durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt ausgelaufen war. Das Land Thüringen hilft mit der Förderung, die Erfolgsgeschichte des Projekts fortzuschreiben, welches in den vergangenen Jahren weltweit beachtete Forschungsergebnisse hervorgebracht hat.

Ministerpräsident Voigt sagt: „Was auf dem Bromacker über die Jahre aufgebaut wurde, ist wirklich beeindruckend. Mitten im Thüringer Wald treffen international beachtete Spitzenforschung, interaktive Wissenschaftskommunikation und ein wachsendes touristisches Interesse aufeinander. Der Bromacker zeigt, welches Potenzial für eine gesamte Region entsteht, wenn Wissenschaft und engagierte Partner gemeinsam an einem Strang ziehen.“

Die am Projekt beteiligten Kooperationspartner dankten dem Ministerpräsidenten, dass sich der Freistaat mit seiner Finanzierung bis Ende 2027 hinter das BROMACKER-Projekt stellt – und so die Fortführung der Ausgrabungen, Präparation, Sammlungsbetreuung und diverser Bildungsangebote sowie Vermittlungsformate sicherstellt. Das Projektteam strebt eine Verstetigung der Förderung an, damit sich das Potenzial der weltweit bedeutenden Fossillagerstätte weiter entfalten kann – als Ort der internationalen Forschung, Bildung und des Tourismus.

Bei seinem Versuch, dem roten Gestein des Bromackers einen Fund zu entlocken, stieß Ministerpräsident Voigt leider auf nichts, ein Fossil nahm er dennoch mit: einen Abguss von „Tambia spiralis“, dem Fossil des Jahres 2024.

Zitate der Projektpartner:

„Das Bromacker-Projekt ist für den Forschungs- und Bildungsstandort Thüringen bedeutsam. Es bringt die Lehre aus dem Hörsaal in die Praxis. Die Fossillagerstätte ist häufig Ziel von Exkursionen, zahlreiche Studierende nahmen im Laufe der Jahre selbst an Grabungen teil. Über 50 Abschlussarbeiten wurden am Institut für Geowissenschaften bisher im Rahmen des Bromacker-Projekts betreut. Durch die jahrzehntelange Forschung ist die Umgebung des Bromackers ein fantastisches Beispiel, wie aus intensiver geologischer Geländearbeit eine 294 Millionen Jahre alte Landschaft rekonstruiert werden kann.“
Prof. Dr. Peter Frenzel – Institut für Geowissenschaften, Friedrich-Schiller-Universität Jena

„Der Bromacker ist eine weltweit bedeutende Fossilfundstelle, die einzigartige Einblicke in die Evolution früher Landwirbeltiere und den Ursprung moderner Ökosysteme ermöglicht. Der Bromacker ist eine Wissensquelle, welche die internationale Spitzenforschung noch für viele Jahrzehnte beschäftigen wird. Vieles von diesem Wissen liegt buchstäblich noch im Boden begraben. Jede neue Grabung bringt neue Funde und neue Erkenntnisse ans Licht. Das ist Wissenschaft zum Zuschauen – von der Ausgrabung bis zur Erkenntnis. Wenn wir verstehen wollen, wie wir in unserer sich verändernden Welt vorankommen, müssen wir auch wissen, woher wir kommen.“
Prof. Johannes Vogel, PhD – Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin

„Das BROMACKER-Projekt stößt auch für Tourist:innen und Schüler:innen das Fenster zu einem Ökosystem vor 294 Millionen Jahren weit auf. Das BROMACKER lab im Westturm von Schloss Friedenstein verzahnt internationale Spitzenforschung mit innovativer, multimedialer Wissenschaftskommunikation. Hier wird Forschung sichtbar und es werden herausragende Fossilien der Bromacker-Fundstelle gezeigt – und damit das Erbe unserer Region zugänglich gemacht.“
Dr. Tobias Pfeifer-Helke – Direktor der Friedenstein Stiftung Gotha

„Die wissenschaftliche Exzellenz des Bromackers war ein maßgeblicher Baustein für die Auszeichnung unseres Geoparks als UNESCO Global Geopark im Jahr 2021, die uns zu dauerhafter Forschung und Wissensvermittlung verpflichtet. Die internationale Tragweite bestätigt sich auch darin, dass die IUGS (International Union of Geological Sciences) den Bromacker im November 2026 als eines der 300 wichtigsten Geotope der Welt auszeichnen wird.“
Sylvia Reyer-Rohde – Leiterin des Managementbüros des UNESCO Global Geoparks Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen

Eine fossile Lagerstätte der Superlative: der Bromacker

Die im Thüringer Wald innerhalb des UNESCO Global Geoparks Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen gelegene, unterpermische Fossillagerstätte Bromacker ist wegen des gemeinsamen Vorkommens von Wirbeltierfährten und deren Erzeugern in Form von Skeletten weltweit einzigartig. Bei dem hier fossil erhaltenen Ökosystem handelt es sich darüber hinaus um den frühesten Beleg für eine Nahrungspyramide mit wenigen Raubtieren an der Spitze, Pflanzen an der Basis und vielen Pflanzenfressern dazwischen – ähnlich wie moderne Ökosysteme aufgebaut sind.

Die Bromacker-Lagerstätte wartet mit vielen Superlativen auf: das erste Stamm-Reptil – d. h. ein primitiver Vorfahr der Reptilien –, das zeitweise auf zwei Beinen laufen konnte; das erste Auftreten von Schuppen bei Synapsiden, den frühesten Vorfahren der Säugetiere; der erste Beleg für einen eindeutigen aufgerichteten Spreizgang, wie Analysen der Art Orobates pabsti belegen; der früheste in einer vollterrestrischen Paläoumwelt – d. h. einem Ökosystem, in dem es kein permanentes Gewässer gab – gefundene Regurgitalith (versteinertes Erbrochenes). Darüber hinaus stellt der Bromacker das älteste Ökosystem mit großen, spiralförmigen, teilweise Skelettreste enthaltenden Grabbauten dar – ein deutlicher Hinweis auf ein stark saisonales Klima mit Trocken- und Regenzeiten.

Forschung und Wissenschaftskommunikation: das BROMACKER-Projekt

Ein Meilenstein in der Erforschung der berühmten Fossillagerstätte ist das 2020 gestartete Projekt „Öffnen von Wissenschaft: Neue Wege des Wissenstransfers am Beispiel des Forschungsprojekts BROMACKER“. Das BROMACKER-Projekt verzahnt Forschung und Wissensvermittlung miteinander und stößt für die Öffentlichkeit ein Fenster in ein Ökosystem vor 294 Millionen Jahren auf.

An dem Projekt beteiligt sind neben der Friedenstein Stiftung Gotha die Friedrich-Schiller Universität Jena, das Museum für Naturkunde Berlin – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung und der UNESCO Global Geopark Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen.

Das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten (TMUENF) setzt nach Auslaufen des bisherigen Bundesprojekts die Förderung mit Landesmitteln bis vorläufig Ende 2027 fort. Mit der Fortführung der Ausgrabungen, Präparation, Sammlungsbetreuung und diverser Bildungsangebote und Vermittlungsformate für die breite Öffentlichkeit soll auch der Welterbestatus des UNESCO-Titels des Geoparks Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen abgesichert werden. Die Forschung am Bromacker ist dafür maßgeblich.

Foto: Auch der Bromacker liegt im „Grünen Herzen“ Deutschlands: Ralf Holland-Nell (Bürgermeister der Gemeinde Floh-Seligenthal und Vorsitzender des UNESCO Global Geoparks Inselsberg-Drei Gleichen), Sylvia Reyer-Rohde (Leiterin Managementbüro des UNESCO Global Geopark Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen), Dr. Tom Hübner (Bromacker-Projektleiter Gotha) und Dr. Mauro Alivernini (UNESCO Global Geopark Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen) (v. li.) nehmen das Präsent von Ministerpräsident Mario Voigt in Empfang. | © TSK/Peter Hollek