Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Eine gute Geschäftsidee zu haben, ist die eine Seite. Die andere ist, diese auf einen erfolgreichen Weg zu bringen. Vieles ist beim Schritt in die Selbständigkeit zu bedenken. Fehler können bittere Folgen nach sich ziehen. Und gelegentlich gibt’s schon am Anfang ein drastisches Stoppzeichen, weil die technische Basis nicht vollständig zur Verfügung steht. Dass Unternehmensgründer nicht scheitern, haben sich die Mitarbeiter des Technologie- und Gründerzentrums (TGZ) in Ilmenau auf die Fahnen geschrieben. Vor 35 Jahren wurde es aus der Taufe gehoben. In diesen dreieinhalb Jahrzehnten hat das TGZ 170 Unternehmen den Weg geebnet.

„Nicht mehr alle sind auf dem Markt“, merkt Rüdiger Horn an. Der Diplom-Ingenieur ist seit 2015 Geschäftsführer des Zentrums. Das bedeute jedoch nicht, dass diese Gründungen gescheitert sind. „Nach 35 Jahren haben einige beispielsweise ihr Geschäft aufgegeben oder verkauft, andere haben fusioniert. Der überwiegende Teil hat sich am Markt gehalten.“ Das ist allemal ein Grund, dieses Jubiläum zu feiern. Immerhin hat sich das Zentrum als bedeutender Innovations- und Gründungsstandort in der Region des Thüringer Bogens etabliert. Es verbindet Gründungsberatung, Infrastruktur, Technologietransfer und ein starkes Netzwerk – und fungiert als zentraler Impulsgeber für die wirtschaftliche Entwicklung. Das zahlt sich aus. Allein 2024 flossen zwei Millionen Euro aus Gewerbesteuern von Unternehmen in die Ilmenauer Stadtkasse, die sich mit Hilfe des TGZ gegründet haben. Hinter dieser Zahl steht freilich noch mehr: Arbeitsplätze, lokale Wertschöpfung und wirtschaftliche Stärke.

Von Anfang an setzt das Zentrum auf die Zusammenarbeit starker Partner. Die Stadt Ilmenau und der Ilm-Kreis gehörten dazu, ebenso Thüringens einzige Technische Universität. Letzteres sorgt für Zugang zu Forschung, ermöglicht die Nutzung der technischen Möglichkeiten der TU Ilmenau und Beratung durch Wissenschaftler. Rüdiger Horn erfüllt es mit Stolz, wenn Unternehmen, die mit dem TGZ ihren Weg gegangen sind, erfolgreich auf dem Markt agieren. „Besonders bleiben jene in Erinnerung, deren Gründer sich auch in unserem Zentrum eingebracht haben. Mit ihren Aktivitäten, die über die eignen Unternehmen hinaus gingen, haben sie Zeichen gesetzt“, sagt der Geschäftsführer. Und natürlich verfolgt er, wie erfolgreich die Firmen ihren Weg gehen. Dabei denkt Horn an die Kompass GmbH Ilmenau, ein technologieorientiertes Sensorik Unternehmen. Es entwickelt, produziert und vertreibt hochsensible Sensoren, Messsysteme und komplette Sensornetzwerke für Umweltmonitoring, Materialanalyse und Prozessmesstechnik. Dafür heimst es regelmäßig Auszeichnungen ein.

Manche Jungunternehmer verlassen nicht nur das TGZ, sondern auch Thüringen. Einer hat nach dem Informatikstudium in Ilmenau seine Firma gegründet und ist dann in die Schweiz gegangen. „Wenn so jemand zurückkommt in unsere Region und hier eine Tochterfirma seines Schweizer Unternehmens aufbaut, freut mich das natürlich sehr. Und wenn er diesen Schritt damit begründet, dass er die Region kennt, weiß, wie die Menschen ticken und sich sogar ein Haus kauft, dann hat sich unsere Arbeit gelohnt.“

Rüdiger Horn mag solche Geschichten. Im TGZ hat Daniel Martschoke ebenfalls mit seinem Unternehmen die ersten Schritte unternommen. Der Absolvent der TU Ilmenau entwickelte einen fotokatalytischen Filter. Und der hatte eine Eigenschaft, die in Corona-Zeit besonders gefragt war. Seine Entwicklung konnte auch diese Viren eliminieren. „Ich saß in dieser Zeit bei einem Partner im Sitzungsraum, in dem ein solcher Filter arbeitete. Da freut man sich schon über diese Innovation, die ihren Lauf in unserem Zentrum nahm.“

Nicht einmal halb so alt wie das Technologie- und Gründerzentrum ist das Gründerforum Ilmenau. Der Verein kümmert sich seit 15 Jahren um angehende Unternehmer. Aktuelle Vereinschefin ist Uta Jenennchen. Unter ihrer Führung soll das Gründerforum zu alter Stärke zurückfinden, denn während der Corona-Epidemie sind zahlreiche Aktivitäten ausgebremst worden.

 

Foto: Uta Jenennchen vor der Galerie erfolgreicher Gründer. | © Simmen