Regionalmanagement Thüringer Bogen:

In einer Stadt ohne Kino leben? Das, sagt Wolfgang Gaube, gehe schon mal gar nicht. Trotzdem ist er nach Arnstadt gezogen, hat Berlin und seinen kulturellen Segnungen Adé gesagt. „Die Gründe sind vielfältig, auch der Zufall hat mitgemischt“, sagt der Mann, der eine Kaffeerösterei samt Espressobar in der Bachstadt betreibt. Angekommen im Thüringischen sei die Familie. Dazu gehört auch, dass Gaube sich keinesfalls damit abfinden wollte, dass es in seiner neuen Heimat kein Kino gibt. Eine missliche Situation, das fand auch Ulrich Schröder, pensionierter Ingenieur. Dass die Cineasten sich begegneten, mag Zufall oder Fügung gewesen sein – jedenfalls beschert das Duo Arnstadt wieder Kinoerlebnisse.

Zunächst als Sommerkino unter freiem Himmel mit drei Vorstellungen in diesem Jahr. Unbürokratische Unterstützung bekam das Projekt von der Stadtverwaltung. „Das macht deutlich, hier ist man interessiert, Kino wieder in die Stadt zu bringen“, sagt Schröder. Auch deshalb suchten die beiden Herren nach einer festen Spielstätte. Der Milchhof Arnstadt, längst schon als Kulturstätte vielfältig genutzt, bot sich förmlich an. Die Baudenkmal Milchhof Arnstadt GmbH arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt an der Sanierung des Gebäudes, das 1928 als Molkerei eröffnet wurde.

Die Möglichkeiten, die dort den Filmfreunden offenstehen, kommen Wolfgang Gaubes Vorstellungen vom modernen Kino entgegen. Er will das Erlebnis nicht allein auf den Film beschränkt sehen, sondern sieht die Besucher vorab miteinander plaudern und hofft, dass auch mit dem Abspann die Gemeinsamkeit nicht endet. Dafür muss ein entsprechender Rahmen geschaffen werden. Kinosalon ist die umfassende Beschreibung dessen, was sich Gaube und sein Partner vorstellen. Schon die erste Vorstellung im Milchhof zeigt, Kino in Arnstadt ist gefragt. Die Betreiber richteten 75 Stühle her. „Wir haben damit gerechnet, dass 30 oder 40 Filmfreunde kommen“, sagt Gaube. „Schließlich waren es 85!“ Gezeigt wurde zur Premiere übrigens „25 km/h“.

Noch können die Vorstellungen im Milchhof problemlos organisiert werden. Doch irgendwann ist der Saal dann zu kühl für ein entspanntes Kinoerlebnis. Das Projekt einer Heizung mittels Infrarot liegt auf dem Tisch – die Finanzierung freilich ist alles andere als gesichert. „Wir brauchen Geld“, sagt Wolfgang Gaube. Der größte Teil vom Erlös durch Eintrittskarten geht für Lizenz- und GEMA-Gebühren drauf. Ein schmaler Teil bleibt bei den Kinobetreibern. Der reicht bei weitem nicht aus, die Technik zu finanzieren, schon gar keine Heizung. Aktuell leihen sich die Kinofreunde die entsprechende Technik. „Der Besitzer kommt uns dabei sehr entgegen“, freut sich Gaube. Trotzdem braucht der Milchhof früher oder später eine eigne Ausstattung. „Wir hoffen, dass uns dabei die Arnstädter Kinofreunde mit Spenden unter die Arme greifen.“

Künftig will das Duo mittwochs aller zwei Wochen zum Kinoabend in den Arnstädter Milchhof einladen. Welche Filme gezeigt werden, entscheiden Ulrich Schröder und Wolfgang Gaube. Das geht sehr einmütig zu, weil „wir beide so ziemlich den gleichen Geschmack haben.“ Beim Anbieter können sie aus rund 3000 Filmen auswählen, darunter auch neue Produktionen. Von dieser Warte aus sind noch viele Kinoabende in Arnstadt zu erwarten.

Foto: Ulrich Schröder und Wolfgang Gaube (v.l.) | © Simmen