Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Erstmals stand das Regionalmanagement vom Thüringer Bogen federführend für die Ausrichtung der Ausbildungsbörse des Landkreises Gotha, die Ende der zweiten Septemberwoche wie gewohnt Aussteller aus Handwerk, Hotellerie, Logistik, Landwirtschaft, Pflege, Polizei, Bundeswehr, Banken, Versicherungen und Verwaltung in Berufsschulzentrum „Hugo Mairich“ vereinte. Traditionell besuchten am Freitag zwischen 9 und 14 Uhr vorwiegend Schüler die Messe, am Samstag nutzen von 10 bis 13 Uhr Familien das Gespräch mit den Unternehmen, um die Ausbildungschancen für ihre Kinder auszuloten.

Man bekomme Kontakt zu Firmen, die man gar nicht auf dem Schirm habe, sagt Vater Riese, der mit Ehefrau und seinen Söhnen Elias und Niklas von Apfelstädt ins Berufsschulzentrum gekommen ist. Ersterer hat aus seiner Sicht schon Pläne für seine berufliche Zukunft, allerdings sind diese noch ziemlich verschwommen. Gartenlandschaftsbau wäre eine Option, sagt er, aber auch das Hotelfach reizt. Und was Schmitz-Cargobull offeriert, findet Elias auch nicht schlecht. Aber, sagt der Junge, Kfz-Mechatroniker wäre auch ein prima Beruf. Vielleicht ist ja nach dem Besuch der Ausbildungsbörse der Berufswunsch schon konkreter.

Bruder Niklas hat sich am Stand vom Thüringer Bauernverband über Ausbildungsmöglichkeiten informiert. Da war schon einiges dabei, das ihm zusagte. Allerdings könnte er sich ebenso eine berufliche Zukunft bei der Feuerwehr vorstellen. Doch dazu bräuchte er zuerst eine technische Ausbildung, erinnert ihn sein Vater.

Diana Wagner vertritt die Ohrdrufer Zweigstelle von Elektro Beckhoff auf vielen Berufsausbildungsbörsen in der Region. Hier in Gotha sei traditionell immer viel los, sagt die Prokuristin, auch wenn augenblicklich Zeit für sie zum Durchatmen ist. „Am Freitag haben uns die Schülerinnen und Schüler förmlich überrannt. Egal, ob im handwerklichen oder kaufmännischen Bereich – eine Ausbildung in der Region steht hoch im Kurs.“

Das bestätigt auch Anika Bessing-Schmidt von Sealable Solutions in Walterhausen. „Alle unsere Auszubildenden haben wir im Gespräch an Ständen von Jobbörsen in der Region getroffen“, betont sie. Man müsse gar nicht die großen Veranstaltungen in Erfurt oder andernorts besuchen. „Für künftige Lehrlinge geht es darum, wie komme ich in meinen Ausbildungsbetrieb und wieder zurück. Wenn wir in Erfurt sagen, dass der Firmensitz in Waltershausen ist, sind die Messen meist schon gesungen.“

Eine Ausbildung in der Region spielt auch für Finn eine große Rolle. Und weil er sich eine Zukunft bei der Polizei oder bei der Justiz gut vorstellen kann, holt er sich Informationen am Stand von der JVA in Gräfentonna. Dort gibt es zwar, aus verständlichen Gründen, keinen Praktikumsplatz wie in anderen Unternehmen, jedoch verdient man dort von Anfang mehr Geld als in anderen Berufen. Finn hörte aufmerksam zu, wie sich der Alltag im Gefängnis gestaltet und ließ es sich auch nicht entgehen, den Transporter zu inspizieren, mit dem die Gefangenen befördert werden. Sogar Handschellen probierte er aus. Finn, der von seiner Oma begleitet wurde, hat bereits seinen Führerschein. Damit, sagt er, sei er zwar mobil. Weit weg von seiner Heimatstadt Gotha wolle er jedoch nicht lernen …

Fotos Klaus-Dieter Simmen:
Anika Bessing-Schmidt muss viele Fragen beantworten.
Finn probiert Handschellen aus. Eine Ausbildung im Gefängnis ist für ihn vorstellbar.