Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Balu – richtig, so heißt der Bär aus Kiplings Dschungelbuch, der ebenso gemütlich wie gutmütig durchs Leben geht. Gutmütig ist auch jener Balu, um den es hier geht. Hinter dem Träger dieses Namens steckt in unserem Fall ein schokoladenbrauner Labrador. Er weiß zwar nicht, dass er Gothas einziger und erster Schultherapiehund ist. Jedoch wenn Frauchen mit ihm die Andreas-Reyher-Grundschule betritt, ist ihm klar, jetzt wartet eine ganze Menge Arbeit auf ihn. Und diesen Job erledigt der Vierbeiner sichtlich mit Freude und mittlerweile auch Routine und Gelassenheit.

Der Labrador gehört Sophia Büchner, Schulsozialarbeiterin der Diakonie Gotha an der Grundschule „Andreas Reyher“. Und sie und ihre Familie haben ihn bereits vor fünf Jahren mit dem Gedanken angeschafft ihn später als Therapiehund ausbilden zu lassen. Das kostet eine ordentliche Stange Geld, doch dank einer Großspende der Share Value Stiftung, finanzieller Unterstützung vom Schulförderverein und weiterer privater Geldgeber, konnte das gestemmt werden.

Balu hat gleich mehrere Aufgaben zu erfüllen. Einmal begleitet er den Unterricht. In diesem Fall betritt er voller Stolz seine Schultasche im Maul das Klassenzimmer. Darin sind Aufgaben enthalten, die von den Grundschülern in der Mathestunde abgearbeitet werden müssen. Und selbstverständlich enthält diese Tasche auch Leckerlis, mit denen Balu für seine Arbeit belohnt wird. Lehrerin Katjana Brenn schätzt diese hoch ein. „Wenn der Hund im Klassenzimmer ist, herrscht viel mehr Ruhe als sonst. Die Kinder wissen, Balu hat ein viel besser ausgebildetes Gehör als Menschen und leidet darunter, wenn die Mädchen und Jungen durcheinanderschreien“, sagt sie. In diesem Fall beteiligt sich Balu auch am Unterricht. Er holt die Beutel heran, in denen die Rechenaufgaben für die Mathematikstunde enthalten sind. Und die Kinder können mit Balu agieren. Erst ein Leckerli auf die Hand, dann der Zahlenwürfel drauf – und schon ist der Labrador bereit, diesen anzustupsen und die nächste Zahl zu würfeln. Der Hund sorgt dafür, dass die Kinder konzentriert den Unterricht verfolgen.

Doch nicht nur im Klassenzimmer leistet Balu seinen Beitrag. Wenn es Probleme mit Schülern gibt, die sich nicht öffnen wollen, kann er Wunder bewirken. Schulsozialarbeiterin Büchner hat mehr als einmal erlebt, dass seine Anwesenheit das hilfreiche Therapiegespräch in Gang bringen konnte. „Erstaunlicherweise funktioniert das auch bei Elterngesprächen, die in eine Sackgasse geraten sind“, erzählt Sophia Büchner. Sie beschränkt den Einsatz ihres Hundes an der Schule auf zwei Tage in der Woche. „Mehr wollen wir Balu nicht zumuten, seine Schulstunden kosten ihm ob der vielen Eindrücke eine ganze Menge Kraft.“ Nicht destotrotz freut sich das Tier, wenn er in die Schule mitgenommen wird. „Sobald ich am Morgen seine Tasche packe, springt er voller Aufregung um mich herum“, sagt Büchner, „und wenn er sie dann zwischen die Zähne nimmt und bis hierherträgt, ist er ganz stolz.“

In Gotha ist Balu der einzige Therapiehund, der an einer Grundschule im Einsatz ist. Wie viele es in Thüringen sind, weiß Sophia Büchner nicht wirklich zu sagen. Sie wisse von einem Vierbeiner an einer Erfurter Schule, doch weitere seien ihr nicht bekannt, erklärt sie.

Foto: Balu sitzt zwischen den Schülerinnen und Schülern | © Simmen