Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Die Weihnachtszeit beginnt für Wilfried Spiegler im Mai. Das ist nämlich der Monat, in dem er seinen Lebkuchenteig ansetzt, natürlich gefertigt mit bestem Bienenhonig und allerlei Gewürzen. Der ruht dann wohl verwahrt, bis selbst uns klar ist: Weihnachten ist nicht mehr fern. Dann beginnt in der Backstube in der Gospiterodaer Kirchgasse die Zeit besonderer Betriebsamkeit. Das Ergebnis entzückt die Kunden, Jahr für Jahr aufs Neue.

Denn in den Regalen des Stammhauses und der Filialen in Erfurt und Bad Tabarz gibt es gegenwärtig Elisenlebkuchen und Aachener Printen, Marzipanscheiben, Prinzesspinten und Dominosteine. „Die“, sagt Winfried Spiegler, „machen wirklich sehr viel Arbeit. Wir fertigen sie trotzdem, weil unsere Kunden erwarten, dass in dieser Jahreszeit Dominosteine angeboten werden.“ Das Rezept für die Elisenlebkuchen stammt übrigens von Konditormeister Busch, der über viele Jahre in der Gothaer Jüdenstraße ein Caféhaus betrieb. „Deshalb tragen unsere Elisenlebkuchen auch den Zusatz Busch“, erläutert der Konditormeister.

Besonders gefragt sind in dieser Jahreszeit auch Plätzchen. Wobei Spiegler hier gleich korrigierend eingreift: „Wir stellen keine Plätzchen her, sondern Teegebäck. Mein Lehrmeister wurde richtig laut, wenn jemand sagte, dass wir Plätzchen backen.“ Nun gut, es ist also Teegebäck, das im Grunde genommen das gesamte Jahr über seine Liebhaber hat, jedoch in diesen Tagen besonders nachgefragt wird. „Wir haben einen Kunden aus dem Hessischen, der bestellt sich fürs Weihnachtsfest immer ein großes Paket, gut sortiert. Auf alle Fälle müssen Anisplätzchen dabei sein.“ Die werden längst nicht mehr überall gefertigt. Der Aufwand sei zu groß, sagt Spiegler. Abschrecken lässt er sich dadurch nicht.

Ein besonderes Ereignis, auch für die Mitarbeiter des Caféhauses, ist es, wenn Spekulatius gebacken werden. Heute beschränkt sich der Konditormeister auf Butterspekulatius. Die Herstellung des flachen „Formgebäcks aus gewürztem Mürbteig“ ist mehr und mehr eine Sache industrieller Herstellung geworden. Nicht so in Gospiteroda. Winfried Spiegler ist im Besitz einer Spekulatius-Maschine aus dem Jahr 1919. Einstmals wurde damit in der bekannten Gothaer Konditorei Lösche das weihnachtliche Gebäck hergestellt. Irgendwann wanderte die Apparatur auf den Schrott, wo Spiegler sie fand. Er schaffte sie nach Hause und kümmerte sich darum, die Spekulatiusmaschine wieder gangbar zu machen. 40 verschiedene Figuren presst die Walze in den Teig; Figuren, die mittlerweile Seltenheitswert haben.

Die Teiglinge werden zweimal gebacken. „Damit sie auch schön knusprig sind“, sagt Spiegler. Dann verpacken sie zwei Rentner hübsch in Beutel. „Die beiden haben viel Spaß an dieser Arbeit. Sie sortieren die Figuren, so dass sich in den Beuteln auch die Vielfalt der Figuren widerspiegelt.

Dass der Konditormeister in seiner Backstube auch jede Menge Stollen herstellt, ist wenig verwunderlich. Anderthalb Tonnen sind bislang in die Verkaufsregale gelangt, weitere werden folgen. Dabei legt der Meister großen Wert auf ausgesuchte Zutaten. Das sei die Grundlage für herausragende Qualität.

Cafehaus Spiegler
Inhaber: Wilfried Spiegler
Kirchgasse 11a – 99887 Georgenthal – OT Gospiteroda
Tel.: 03622/ 68527 – Fax: 03622 / 901280

Foto: Sabine Deichweber und Wilfried Spiegler an der 106 Jahre alte Spekulatiusmaschine | © Simmen