Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Als im Januar 2007 Orkan Kyrill übers Land fegte und auch weite Teile des Daches der Veste Wachsenburg in alle Winde verteilte, war es Dachdeckermeister Milden Hoyer vorbehalten die Schäden zu reparieren. Der hatte acht Jahre zuvor mit Blick auf die drei Burgen seinen Handwerksbetrieb in Wandersleben gegründet. Mittlerweile ist die Liste der Reverenzen lang: Das Dach der denkmalgeschützten Schenke in Ingersleben gehört dazu, jenes von der Haushaltsschule am Ortsrand von Wandersleben, auch das Kirchenschiff in Kleinrettbach bekam neue Ziegel. Milden Hoyer weiß aber auch ganz genau, wo er oder seine Mitarbeiter eine Handvoll Dachziegel gewechselt oder die Dachrinne sauber gemacht haben. Solche Arbeiten seien ihm immer wichtig gewesen, sagt der Dachdeckermeister. Damit verortet sich ein Unternehmen in der Region, weiß er.

In diesem Jahr ist der Handwerksbetrieb aus Wandersleben für den gemeinsamen Zukunftspreis von Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer Erfurt nominiert. Zehn Unternehmen präsentieren hier Ideen für die Zukunft, gleich drei davon kommen aus dem Landkreis Gotha. „Dass wir dazu gehören, ehrt uns schon sehr“, sagt Ken Hoyer, der gemeinsam mit seinem Bruder Ron das elterliche Geschäft fortführt. Die Übergabe wurde zum 25-jährigen Betriebsjubiläum 2024 vollzogen. Während für Ron früh schon klar war, dass er in die väterlichen Fußstapfen treten werde, hat Bruder Ken zunächst andere Pläne gehabt. Der eine absolvierte seine Ausbildung zum Dachdecker und hängte gleich die Meisterausbildung dran, Ken hingegen entschied sich nach dem Abi für eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann, studierte später Wirtschaftsingenieurswesen in Jena. Sein Praxissemester führte ihn „in eine coole Firma, mit mannigfaltigen Aufstiegsmöglichkeiten“, ganz so, wie er sich das immer erträumt hat. „Nur dass ich dann feststellen musste, dass es zwischen Traum und Wirklichkeit erhebliche Diskrepanzen gab“, sagt er. Und dann war Ken plötzlich klar, dass er im Grunde in die Firma gehört, deren Wachsen er in Kindheit und Jugend erlebte. „Wenn ich aus der Schule kam, war mein erster Weg ins Büro“, erinnert er sich. Und das hat Spuren hinterlassen.

Folglich legte er Vater und Bruder dar, wie er sein Wissen aus Ausbildung und Studium im Handwerksbetrieb einsetzen will. Erste Schritte wurden unternommen, Digitalisierung erfuhr einen Schub und Prozesse wurden optimiert. 2020 schließlich stieg dann der zweite Sohn ins elterliche Geschäft ein. Mit dem Nachwuchs kamen neue Ideen ins Gespräch. „Unsere Eltern haben uns schon sehr viel machen lassen“ blickt Ken zurück, „aber es gab halt auch Situationen, wo dann Vater ganz klar nein gesagt hat, schließlich sei er es, der seinen Kopf hinhalten müsse.“ Zwischen den Brüdern herrscht auch nicht immer Einigkeit. Weil jedoch miteinander geredet, stets ausdiskutiert wird, was im Raum steht, fiel letztlich die richtige Entscheidung im Sinn des Unternehmens.

Anfang 2023 brachten die Eltern dann die Geschäftsübergabe ernsthaft ins Gespräch. Ohne wirklich das Sagen zu haben, führte das Brüderpaar in einer Art Testphase den Handwerksbetrieb. „Und das lief dann gar nicht so schlecht“, sagt Ken Hoyer. Vor zwei Jahren schließlich wurde aus dem Test dann Wirklichkeit. Während der eine Inhaber für den handwerklichen Teil steht, kümmert sich der andere um den kaufmännischen Ablauf. Das, was der Vater begonnen hat, führen sie fort. Regionales Engagement bei verschiedenen Vereinen, die Unterstützung des örtlichen Kindergartens, der immer von den Einnahmen profitiert, die bei Firmenfeierlichkeiten generiert werden. Regelmäßig findet auf dem Gelände der Dachziegelflohmarkt statt, wo die Altbestände unter den Hammer kommen. Mittlerweile verfügt die Dachdeckerfirma über eine Art schnelle Eingreifgruppe. „Wenn jemand nach einem Sturm oder aus anderen Gründen schnelle Hilfe braucht, schadhafte Ziegel ausgewechselt werden müssen oder lose Dachrinnen wieder befestigt, kann der nicht warten, bis wir das in unseren Betriebsablauf eintakten können“, sagt Ron Hoyer. „Da müssen wir binnen kurzer Zeit reagieren.“

Das Familienunternehmen ist für die Zukunft gewappnet. Die Brüder haben sich als Team gefunden. Und Vater Milden hat zwar die Zügel weitergegeben, doch sein Rat und seine Erfahrung sind weiterhin gefragt.

Foto: v.l. Ron, Vater Milden und Bruder Ken – das Dreigestirn des Dachdeckerbetriebes aus Wandersleben. | © Simmen