Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Am 6. Mai starte der Friedensglockentreck in Brück. Sechs Kutschen und 30 Teilnehmer machten sich auf den 4800 Kilometer langen Weg nach Jerusalem. Mittlerweile hat der Treck Deutschland, Tschechien und die Slowakei durchquert und mehr als 1200 zurückgelegt. „Wir kommen vorwärts“, sagt Andreas Kunkel, der als Erkunder dem Friedenstreck vorausfährt und Strecke sowie Übernachtungsplätze klar macht. Und das Vorwärtskommen hat auch mit der Herzlichkeit zu tun, die den Reisenden entgegengebracht wird. „Die Menschen freuen sich uns zu helfen. Sie lassen uns ihre Duschen und Toiletten benutzen. Und das wird von uns mit großer Dankbarkeit angenommen.“ Der Crawinkler Unternehmensberater hat den ersten Kontakt und vermittelt den Einwohnern das Anliegen des Friedenstrecks. „Dabei wird mir immer wieder viel Interesse und Verständnis entgegengebracht.“ Dass in dieser wirren Zeit sich Menschen auf diese Weise für den Frieden einsetzen, nötigt Achtung ab, erfährt Kunkel immer wieder.

Pfarrer Helmut Kauz, Initiator und Leiter des Trecks, wird das auf der Reise ebenfalls regelmäßig bestätigt. Vor wenigen Tagen erst hat der oberste lutherische Bischof in Ungarn, Tamás Fabiny, seiner Hochachtung vor den Mitgliedern des Friedenstrecks Ausdruck verliehen. Die aktuellen Ereignisse unterstreichen täglich, wie wichtig es ist, dass endlich Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet werden. Natürlich, so Kauz, beunruhigt alle, was gerade zwischen Israel und Iran passiert. „Aber es macht keinen Sinn, wenn wir uns verrückt machen. Keiner weiß, wie sich die Situation gestaltet, wenn wir in ein paar Monaten in diese Region kommen. Wir setzen deshalb unsere Reise fort, so, wie wir es geplant haben.“ Bald erreicht der Treck Budapest.

Selbst wenn die Mitglieder des Trecks in den Jahren zuvor das Zusammenleben unterwegs geprobt haben, ein Weg von mehr als 4000 Kilometer Länge stellt vor besondere Herausforderungen. „Tag für Tag am Morgen die Ordnung aufzugeben, die man sich am Abend zuvor aufgebaut hat, ist nicht einfach“, sagt Pfarrer Kauz. Und auf engem Raum leben Menschen zusammen, die von der Idee des Trecks zusammengeführt wurden. Das erweise sich mitunter als schwaches Bindeglied, was wiederum ein bestimmtes Maß an Lernfähigkeit voraussetze. Kauz findet, dass der Moment, wo der Treck am Abend ankommt, besonders spannend ist. „Dann wird Ausschau gehalten nach der besten Stelle, wo das Pferd und der Mensch selbst über Nacht unterkommen.“ Dann werde es hektisch mitunter, Pferde müssen versorgt werden, die Menschen ebenso. „Doch dann, wenn alles erledigt, wenn die Sonne untergegangen ist, wenn das Lagerfeuer brennt, dann ist alles toll.“

Die Treckteilnehmer müssen schnell lernen, dass sich das Leben auf die essentiellen Dinge wie Essen, Bett und Toilette reduziert. Die Stimmung steige laut Kauz erheblich in die Höhe, wenn am abendlichen Rastplatz Duschen zur Verfügung stehen. Ebenso ein Stimmungsaufheller sind die Begegnungen mit den Menschen unterwegs. Kauz erzählt von einer mittäglichen Rast in einem Dorf, wo plötzlich aus dem Haus gegenüber die Frau herauskommt, mit Kaffee und Kuchen. „Und dann stellen wir fest, dass dort ein Reifenhändler sein Unternehmen hat. Man kommt ins Gespräch und dann wird klar, dass der die Reparatur an einem Hänger ganz schnell erledigen kann.“ Solche Erlebnisse wirken lange nach, befindet der Treckführer.

Foto: Die Teilnehmer des Trecks | © Friedensglocken e.V.