Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Je nach Streckenwahl führt der Meister Eckhart Pilgerradweg bis zu 258 Kilometer durch den Freistaat. Drei bis fünf Tage können Pilger auf diese Weise auf den Spuren des Mystikers regionale Naturerfahrungen machen und spirituelle Begegnungen erleben. Dabei nutzen die Organisatoren des Pilgerradweges vorhandene Routen durch den Freistaat. „Damit“, sagt Pfarrer Ralf Kühlwetter-Uhle, „sind wir schon ganz nah dran an Meister Eckhart. Denn er selbst war ein großartiger Netzwerker.“ Es ist durchaus gewollt, dass dieser Pilgerradweg streckenweise auf weiteren Pilgerwegen durch das Gothaer Land führt. Das sind beispielsweise der Jakobsweg, der Ökumenische Pilgerweg auf der Via Regia, die Via Romea Germanica, der Weg der starken Frauen, der Pilgerweg von der Wartburg in die Welt und auch der Lutherweg.

Das sei sozusagen exemplarisch für das Denken von Meister Eckhart, unterstreicht Kühlwetter-Uhle. Der Pilgerradweg startet an der Predigerkirche in Erfurt. Wobei auch jede andere Station für den Start gewählt werden kann. Von Erfurt aus führt die Strecke über Schmira und Frienstädt bei Gamstädt in den Landkreis Gotha. Dabei passieren die Radfahrer hübsche Dorfkirchen und bewegen sich durch reizvolle ländliche Gebiete. Entlang des Nessetalradweges führt die Strecke nach Hochheim, in jenes Dorf, das für sich beansprucht Geburtsort von Meister Eckhardt zu sein. Unstrittig ist, dass die Familie dort zu Hause war und Land besaß. Ebenso unstrittig ist, dass der Vater des großen Mystikers Burgvogt auf Waldenfels nahe Tambach war. Die Wahrscheinlichkeit, dass Eckhardt dort geboren wurde und aufwuchs, ist groß. „Dieser Widerspruch zwischen den beiden Orten war der Urkeim für den Pilgerradweg“, erzählt der Pfarrer, „wir sahen darin eine Möglichkeit, beide zu verbinden.“ Von da war es ein folgerichtiger Schritt das Predigerkloster Erfurt mit in die Wegführung einzubeziehen, also Eckharts erster Wirkungsstätte im Dominikanerkloster. So fügte sich eine Wirkungsstätte zur anderen.

Als vor wenigen Jahren die Kirche in Hochheim das Meister-Eckhart-Fenster bekam, das der Gräfenhainer Künstler Gert Weber gestaltet hat, war der Anstoß gegeben, Kunst längst des Radpilgerweges zu etablieren. Das 1. Internationale Meister-Eckhart-Bildhauersymposiums 2019 vereinte Künstler aus verschiedenen Ländern, die ihre Werke damals im Schlosspark Behringen zeigten. Dank des Engagements der Landgemeinde Nessetal konnten für die sieben Skulpturen geeignete Standorte entlang des Pilgerweges gefunden werden. „Das war ein Kraftakt, wogen doch die Kunstwerke bis zu elf Tonnen“, blickt Kühlwetter-Uhle zurück.

Die Radpilgerroute führt in die Kultur- und Geistesgeschichte Thüringens, verknüpft Theologie, Mystik, Philosophie, Kirche und Weltreligionen und lässt beim Radeln durch eine wunderschöne Landschaft Abstand zum Alltag gewinnen. An ausgewählten Stellen bekommen die Pilger auf Tafeln Kontakt mit den Schriften von Meister Eckhart. „Offene Kirchen und Gemeindezentren der Pfarreien bieten als Pilgerstationen und Herbergskirchen neben Hotels und Pensionen auf der Radpilgerroute Orte zum Pausieren und Übernachtungsmöglichkeiten.“ Der Verein Kirche und Tourismus in Reinhardsbrunn macht sich stark, dass die wunderschön restaurierte Kapelle im Schloss zu Reinhardsbrunn auch als Radfahrerkapelle genutzt wird, was für Thüringen einzigartig ist.

Foto: Pfarrer Kühlwetter-Uhle vor einem Kunstwerk, das im Rahmen des 1. Internationalen Meister-Eckhart-Bildhauersymposiums 2019 entstand und vorm Pfarrhaus in Wangenheim steht. | © Simmen