Regionalmanagement Thüringer Bogen:
„Und dann waren wir im Waldschlösschen“, sagt Elisa bestimmt. Der Opa schüttelt den Kopf. Beim ersten Besuch sei das noch kein Ziel gewesen, ist er sicher. Dass er recht hat, beweist das Fotobuch vom ersten Besuch seiner Enkelin in Gotha. Darin findet sich kein fotografischer Beleg für ihre Aussage. Damals, im Jahr 2015, erlebte die Siebeneinhalbjährige ihre ersten Ferien in Thüringen, reiste zum ersten Male ganz allein von Finnland nach Deutschland. Die Eltern setzten das Kind in Helsinki in den Flieger, der Opa holte es am Flughafen in Berlin ab. Schon bei diesem ersten Besuch sorgten die Großeltern für erlebnisreiche Tage. Nur eben nicht für einen Besuch im Friedrichrodaer Waldschlösschen. Der folgte später, wie ein weiteres Fotobuch beweist. Und dort ist auch festgehalten, was dem Kind besonders schmeckte: ein Schokoladenkuchen!
Fortan kam jedes Jahr aus Finnland die Anfrage, ob Elisa ein paar Ferienwochen in Gotha verbringen dürfe. Aber gerne doch, signalisierte Horst Gröner zuverlässig. „Ich mag meinen Opa sehr“, sagt die heute 18-Jährige. „Allerdings kann ich von Finnland aus nicht einfach mal so zu Besuch kommen.“ Da sei es ihr wichtig gewesen, einmal im Jahr für eine längere Zeit den Kontakt zu pflegen. „Und so eine Zeit ohne Eltern ist ja auch so schlecht nicht, zumal bei Oma und Opa die Uhren ein bisschen anders ticken“, fügt sie verschmitzt hinzu.
Schon als beinahe achtjährige entdeckte das Mädchen seine Leidenschaft für Schnitzel. Zwar steht das panierte Fleisch auch in Mutters Küche auf dem Speiseplan, irgendwie aber fand sie das Gericht in Thüringen viel leckerer. „Ach ja, ich weiß heut gar nicht mehr, wie ich es geschafft habe, so viele Schnitzel zu verdrücken“, blickt sie lachend zurück. Meist hat sie die Thüringer Küche begeistert, nur halt nicht immer. Einmal gab’s in einer Hütte gesunden Kuchen. Der schmeckte „wie Brot mit Möhren“. Da sei ihr ungesunder Kuchen allemal lieber, versichert sie.
Blickt Elisa zurück auf den Sommerbesuch in Gotha, denkt sie sofort an die Marienglashöhle und den alljährlichen Besuch unter Tage. Besonders bei Hitze ein erfrischendes Erlebnis. Gut in Erinnerung ist der jungen Frau die Modellbahnausstellung in Wiehe. Die Feengrotte in Saalfeld habe sie nicht so sehr gebeutelt, gesteht sie ein. Dafür gab‘s im Freistaat andernorts Dinge zu entdecken. Und wenn die, wie im Fall des Waldschlösschens, mit kulinarischen Erlebnissen verbunden waren, hatte das Mädchen besonderes Vergnügen.
In diesem Jahr besucht Elisa ihren Opa Horst erneut, kann aber, wie schon im Jahr zuvor, weniger Zeit mit ihm verbringen. Jeden Morgen nämlich macht sie sich auf den Weg zum Hotel am Schlosspark, wo sie sich im Team ums Frühstück für die Gäste kümmert. „In Deutschland ist es leicht, einen Ferienjob zu finden“, erklärt sie, „in Finnland nahezu aussichtslos.“ Deshalb hatte der Opa vorgeschlagen, sie könne sich doch hier in Gotha umsehen. Zum Glück sind junge Leute, die sich während der Ferien ein bisschen dazu verdienen wollen, gefragte Helfer in der Urlaubszeit. Deshalb hatte Elisa auch keine Probleme, den Job im Hotel zu bekommen. Dort hat die junge Frau bereits im vergangenen Jahr Erfahrung sammeln können. So durfte sie sich um eine chinesische Milliardärsfamilie kümmern, die sich die Ausstellung „Chinas Gold und Gothas Schätze“ im Herzoglichen Museum anschaute. „Wegen meiner Englischkenntnisse wurde ich gefragt, ob ich die Betreuung übernehmen könne“, erzählt sie. In diesem Jahr hat sie mit Ilse Ritter eine der tragenden Schauspielerinnen vom Musiktheater „Königshaut“ kennengelernt.
„Ich begegne bei der Arbeit vielen netten Menschen“, sagt sie. Doch dass sie einmal ihr Beruf in die Welt der Hotellerie führen wird, verneint sie kopfschüttelnd. „Das garantiert nicht“, sagt sie, „ich kann mir vorstellen, Pharmazie zu studieren oder einen Beruf zu ergreifen, bei dem Chemie und Biologie eine Rolle spielen.“ Missen jedoch will Elisa Nousmaa ihre Erfahrungen aus dem Ferienjob in Gotha nicht. Und will im nächsten Jahr wiederkommen, ganz klar. Sie ist fasziniert, wenn sie aus Finnland nach Deutschland kommt, das rund 15-mal mehr Einwohner hat als ihr Heimatland. „Dafür bietet unsere Natur viel mehr Weite und Einsamkeit“, sagt sie. Schön und lebenswert sei’s hier wie da …
Foto: Elisa und ihr Opa Horst (v.r.) schauen sich das Fotoalbum an. | © Simmen