Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Der olympische Gedanke, sagt Olaf Mollenhauer, sei ihm keineswegs fremd. Nur in der Wirtschaft habe dieser keine Bedeutung. „Da zählt unterm Strich nur der Erfolg!“ Deswegen hat sich der Unternehmer aus Ilmenau Anfang November auf der iENA, der Erfindermesse in Nürnberg, den Mitbewerbern gestellt. Er war sich ziemlich sicher mit einer Goldmedaille zurück nach Thüringen zu kommen. Und es hat funktioniert, ebenso wie 2021, 2023 und 2024. Die Ehrung ist eine Seite der Messe. Die andere, nicht minder bedeutsame, sind die vielen Möglichkeiten Kontakte zu knüpfen.

In diesem Jahr stellte der Inhaber der Firma Kompass GmbH Ilmenau sein Verfahren zur fälschungssicheren Kennzeichnung von Objekten vor. „Produktfälschungen sind ein gewaltiges System“, sagt der Ingenieur, „sie verursachen weltweit immense Verluste, etwa 660 Milliarden Euro jährlich. Außerdem stellen sie eine Gefährdung für Verbraucher dar.“ Besonders hat Mollenhauer dabei die Fälschung von Medikamenten im Blick. Die stellen weltweit ein großes Problem dar. „Unser Ziel war es, eine Methode zu entwickeln, die bestmöglichen Schutz bietet“, betont er und fügt gleich an, dass es einhundertprozentigen Schutz nicht gibt und die Fälscher natürlich versuchen, jegliches System zu überwinden.

Es gibt bereits Möglichkeiten gefälschte Medikamente herauszufiltern. Diese Methoden benötigen allerdings Internetanschluss. „Da gibt es weltweit noch große Lücken, selbst in Deutschland haben wir weiße Flecken.“ Die Wissenschaftler der Kompass GmbH aus Ilmenau suchten nach einer Möglichkeit, mit der einfach und wirtschaftlich Produkte gesichert werden können. Dafür holten sie sich kompetente Partner ins Boot, wie das Fraunhofer-Institut in Hermsdorf sowie die National Universität in Seoul. In Südkorea entwickelte sich zudem die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen in Busan. „Das klappte hervorragend, wir haben uns regelmäßig getroffen. Mir imponiert das Vertrauensverhältnis, dass sich zwischen den Partnern entwickelt hat“, freut sich der Kompass-Geschäftsführer.

Was das Team entwickelt hat, überzeugte nicht nur die Jury der iENA. Das System aus Ilmenau basiert auf einem Aufkleber mit einem speziellen Code, der nur mit einem entsprechenden Lesegerät entziffert werden kann, also auf dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Dabei wird ein QR-Code genutzt, in dem zu den üblichen Daten eine Information enthalten ist, die sich aus Nanopartikeln zusammensetzt. Mit Infrarotlicht kann diese sichtbar gemacht werden. „Diese Nanopartikel können in Druckertinte gelöst werden und die Aufkleber somit mit jedem Tintenstrahldrucker hergestellt werden“, informiert Mollenhauer. So könnte mit der Erfindung aus Ilmenau die Pharmaindustrie allein in Europa vor rund 10 Milliarden Euro jährlicher Verluste bewahrt werden. Und, was nicht minder wichtig ist, Patienten wären sicher vor Medikamenten ohne oder mit zu wenig Wirkstoff.

Das System der Kompass GmbH kann für viele Produkte eingesetzt werden, etwa um gefälschte Ersatzteile auszuschließen. Sicherlich, sagt Olaf Mollenhauer, könne man es auch auf Gucci-Taschen kleben. Doch wer diese für zehn Euro kauft, brauche nicht wirklich Schutz …

Foto: Olaf Mollenhauer | © Simmen