Regionalmanagement Thüringer Bogen:

In Peter Mildners Garten liegt ein Walross, behäbig hingestreckt. Es sieht täuschend echt aus, doch der gründliche Blick offenbar, das ist es keineswegs. „Aufgabe dieses Walrosses wird es sein, auf einer Ostseeinsel einen Artgenossen darzustellen, der einen Tankerunfall mit nachfolgender Ölkatastrophe zum Opfer gefallen ist“, sagt Mildner. Deshalb hat der Tierpräparator auch diverse Taschen in den Körper aus PU-Weichschaum platziert, aus der bei Bedarf kleine Ölbäche fließen können.

Ehe er sich daran machte, das drei Meter lange, wuchtige Tier zu formen, hat er eine Kleinplastik hergestellt. Und dann einen maßstabgerechten Block aus Kunststoff, den er später in Originalgröße brauchte, um daraus den Körper zu schneiden. Das hat er mit handelsüblichen elektrischen Messern bewerkstelligt. Solch ein Schneidewerkzeug ist zwar prima geeignet, den Sonntagsbraten zu tranchieren, das Weichschaum-Material hingegen fordert die Klinge auf besondere Weise, so dass Mildner mehrere Messer an ihr physisches Ende brachte, ehe das gewünschte Ergebnis erreicht war. Für die endgültige Ausarbeitung des Körpers verbrauchte er dann Schaumstoffdosen in Batteriestärke. Bei der Arbeit achtete er darauf, dass der Tierkörper ein Mindestmaß an Bewegungsfähigkeit behält. „Wenn der tote, ölverschmierte Walrosskörper auf einen Laster verladen wird, muss er am Hals beispielsweise so nachgeben, wie es ein natürlicher Körper auch tun würde.“

Während für den Laien das Walross bereits wie ein solches ausschaut, ist der Präparator längst noch nicht zu frieden. Hier muss noch etwas weggenommen, dort noch ein wenig hinzugefügt werden. Und schließlich braucht der Körper noch Farbe, um als Walrossdarsteller perfekt zu sein. Der Film mit dem Arbeitstitel „Black Water“ soll nach der Fertigstellung auf Filmfestivals laufen, ehe er in die Kinos kommt. „Da ist natürlich höchste Präzision gefragt, eben auch bei solch einer Requisite, wie dem Walross“, sagt Jette Blümler von der Produktionsfirma Deutschland, der Elemag Pictures GmbH in Gera. „Und da sind wir natürlich sehr froh, einen ausgewiesenen Spezialisten wie Herrn Mildner gewonnen zu haben.“

Fünf Länder beteiligen sich an der Produktion, neben Deutschland sind noch Polen, Finnland, Estland und Dänemark im Boot. Gedreht wird auf der finnischen Insel Åland. Blümler fasst den Inhalt kurz zusammen: „Zwei Frauen, die sich fremd sind, sitzen gemeinsam auf einer Insel fest, als ihre Partner spurlos verschwinden. Eine Öl-Tanker-Katastrophe an der Küste bindet die Kräfte der Polizei, sodass die Frauen eigene Ermittlungen anstellen. Die Erkenntnisse zwingen sie dazu, ihr Leben neu zu definieren.“ Dabei will Regisseurin Agnieszka Woszczyńska neben dem menschlichen Leid auch das der Natur für den Zuschauer sicht- und hörbar machen. So erscheinen die immer eindringlicher werdenden Schreie der Seevögel mehr und mehr als Hilferuf. Und auch das Walross aus Gotha steht im Film für die Not der Natur. Übrigens weiß auch das Filmteam, dass diese Tierart eigentlich nicht in der Ostsee zu Hause ist. Hin und wieder jedoch wird ein Exemplar gesichtet. Und auch das steht für den Wandel in der Natur …

Foto: Das Walross liegt im Garten des Präparators | © Simmen