Regionalmanagement Thüringer Bogen:
Es ist wahrlich alles andere als ein Katzensprung, der Weg von Ohio/USA ins Thüringische Gotha. Und ihn hat die kleine Gruppe allein unternommen, um sich den Ort und vor allem das Unternehmen anzusehen, wo die Maschinen produziert werden, mit denen die US-Amerikaner nun in ihrer Fabrik die Pinselstiele schön glänzend schleifen. „Da haben wir uns natürlich sehr gefreut diese Gäste begrüßen zu dürfen“, sagt Jens Straub, Geschäftsführer im Gothaer Werk der Kündig GmbH. Das Unternehmen mit 33 Mitarbeitern in der Kindleber Straße der Residenzstadt gehört zu jenen zehn, die für den Zukunftspreis 2026 nominiert sind. Alljährlich würdigen die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt sowie die Handwerkskammer (HWK) Erfurt Firmen, die mit ihren Projekten und Innovationen erfolgreich am Markt agieren. Die Kündig GmbH ist eines von drei Unternehmen im Landkreis Gotha, die in diesem Jahr auf der Liste stehen.
„Für uns war die Bewerbung für den Preis die Möglichkeit ein Stückweit die Aufmerksamkeit in der Region auf die Themen zu lenken, die wir umsetzen.“ Gebaut werden hier in Gotha und in der schweizerischen Mutterfirma in Wetzikon Schleifmaschinen. „Das klingt zunächst unspektakulär“, sagt Denny Rosenbusch, verantwortlich für Marketing. „Doch wenn man weiß, dass auf unsere Maschinen ein großes schwedisches Möbelhaus zurückgreift, dass damit Bremsscheiben bearbeitet wurden, die im Porsche und anderen Sportwagen für Sicherheit sorgen – dann bekommt man eine Ahnung von der Bedeutung des mittelständischen Betriebes.“ Dass Kündig Schleifmaschinen weltweit benutzt werden, unterstreicht die Aussage.
Das Produktangebot des Unternehmens wendet sich an Handwerksbetriebe ebenso wie an große Hersteller. „Unsere Maschinen sind so konstruiert, dass sie für unterschiedliche Zwecke konfiguriert werden können“, sagt der Geschäftsführer. Reicht das nicht aus, um einen Sonderwunsch zu bedienen, findet die Entwicklungsabteilung eine Lösung. Momentan ist besonders eine Maschine nachgefragt, die unter Hochdruck komprimierte Papierlaminate schleifen kann. Diese finden in der Möbelindustrie und im Ladenbau Verwendung. Hier sei besonders die Nachfrage aus Indien sehr groß, erzählt Rosenbusch. Um beste Ergebnisse zu erzielen, stehen die Gothaer mit den Kunden im Austausch, auch mit denen im fernen Indien.
Ganz aktuell ist im Unternehmen das Thema Schleifen im Holzbau. Dabei sei der Markt noch gar nicht so richtig vorhanden, jedoch ist abzusehen, dass Schleifen großer Balken vom Trend zu einem gefragten Markt wird, blickt Jens Straub voraus. Bauen mit Holz nimmt an Bedeutung zu. Und dabei verschwindet der Baustoff nicht mehr unter Verkleidungen, sondern präsentiert sich dem Betrachter. „Holzsäulen beispielsweise werden zum Blickfang, also müssen diese auch entsprechend attraktiv sein.“ Derzeit würden tatsächlich zehn oder fünfzehn Meter lange Balken von den Mitarbeitern per Handschleifer bearbeitet. „Aber wir arbeiten dran diesen Prozess zu automatisieren“, erklärt der Geschäftsführer. Eine Maschine von Kündig, die diesen Job tadellos macht, gibt es schon. Und laut Straub nimmt sie gar nicht viel Platz weg. „Aber für die Bearbeitung eines sechs oder sieben Meter langen Balkens bracht es genau diese Fläche einmal vor und einmal hinter der Maschine“ Aktuell wird an einer Lösung getüftelt. Damit arbeitet die Kündig GmbH gemeinsam mit den Kunden an der Schaffung eines neuen Marktes.
Das Familienunternehmen überzeugt seine Kunden mit einem patentierten Schleifsystem, das durch eine Diagonalstellung des Schleifaggregats eine wesentlich bessere Oberfläche erzeugt. Und das nimmt der Kunde, beispielsweise im Möbelhaus, als erstes wahr: eine glänzende, spiegelnde Oberfläche. Jede auch noch so kleine Beschädigung fällt dem Kunden sofort ins Auge. „Das heißt, wir schaffen mit unseren Maschinen die Voraussetzung für ein perfektes Finish im Produktionsprozess“, unterstreicht Jens Straub. Und ganz nebenbei trägt das Unternehmen den Namen Gotha in die weite Welt. Wenn all das kein Grund für einen Zukunftspreis ist …
Foto: Geschäftsführer Jens Straub und Marketing-Mitarbeiter Denny Rosenbusch (v.r.) an einer Schleifmaschine, die bald an den Kunden ausgeliefert wird. | © Simmen