Regionalmanagement Thüringer Bogen:
Gut ein Jahrzehnt gab es bei der B+S Frieg GmbH keine Auszubildende. Es habe halt keine Bewerbungen gegeben, sagt Ilka Reif, die sich um die Azubi im kaufmännischen Bereich kümmert. Mittlerweile jedoch stehen auch wieder Lehrlinge auf der Lohnliste, sogar gleich drei. Eine Kauffrau für Büromanagement, ein Metallbauer in der Fachrichtung Konstruktionstechnik sowie eine Fachkraft für Metalltechnik. Und die Zahl soll nach Willen der Geschäftsleitung wachsen. Schließlich lässt die gute Auftragslege das Unternehmen am Haferteich im Ilmenauer Ortsteil Gehren wachsen. Susanne Frieg, Konstrukteurin im Familienunternehmen, spricht von einer Verdopplung der Arbeitskräfte innerhalb eines Jahres.
Als die Anfrage kam, ob B+S Frieg am Azubi-Speed-Dating am 17. September in der Festhalle Ilmenau teilnehmen will, habe man keinen Augenblick gezögert. „Für ein Unternehmen macht es Sinn, den Nachwuchs selbst heranzuziehen“, betont Reif. Und da sei das Speed-Dating ein wirklich praktikables Modell. Die Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen treffen in der Festhalle auf unterschiedlichste regionale Unternehmen. Jeder künftige Azubi kann Gesprächstermine vorab buchen und stellt sich in einem Bewerbungsgespräch vor. Wenn sich beide Partner einig werden, springt am Ende ein Praktikumsplatz heraus.
Bei B+S Frieg hofft man so auf Kontakte, die ansonsten nicht zustande kämen. „Die kleineren Unternehmen haben die jungen Leute oft nicht so auf dem Schirm“, sagt Susanne Frieg, „und wissen gar nicht, was hier so alles hergestellt wird.“ Im Praktikum können beide Partner dann austesten, ob sie zusammenpassen. „Auf diese Weise kann die Zahl der Abbrecher später deutlich reduziert werden“, ist sich Ilka Reif sicher. Ihr Großvater hat 1957 das Unternehmen gegründet, damals als Schmiede. Der Hufschmied beschlug die Pferde in der Region, baute aber auch eiserne Treppengeländer, Fenstergitter und führte andere Schmiedearbeiten aus. 1996 zog die Firma an den Haferteich, erweiterte die Produktion um Blechverarbeitung und Pulverbeschichtung.
Konstrukteurin Frieg erzählt, wie vielfältig der Stahlbau im Unternehmen ist. „Wir haben das Stahlskelett beispielsweise für das Mercedes-Autohaus in Ilmenau und auch die Shirtschleuder gebaut, ebenso kommt der Aussichtsturm auf dem Lindenberg aus unserer Werkstatt.“ Neben industrieller Fertigung spielt Handwerk eine große Rolle im Unternehmen. Viele Kleinserien im Musterbau erfordern ausgeprägtes Fachwissen. Und genau das soll den Auszubildenden im Unternehmen vermittelt werden.
Foto B+S Frieg: Lehrling Lukas aus der Produktion und Bürokauffrau Lena Fink