Regionalmanagement Thüringer Bogen:
Vor knapp einem halben Jahrhundert startete Wolfgang Krumbein in die Selbständigkeit. Bis zu diesem Zeitpunkt war er verantwortlicher Techniker in der damaligen Produktionsgenossenschaft des Tischlerhandwerks in seinem Heimatort Tabarz. Auf die Idee brachte ihn sein damaliger Chef. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn dieser hoffte auf effiziente Holzbearbeitungsmaschinen aus der neugegründeten Firma. Das hat auch funktioniert. Und trotzdem nahm die Firmengeschichte schon wenige Jahre später einen gänzlich anderen Weg. Den Ausschlag gab die Innung des Bäckerhandwerks.
Einer ihrer Vertreter stand nämlich eines Tages in der Werkstatt am Nonnenberg in Tabarz. Er fragte an, ob Krumbein eine Hörnchen-Wickelmaschine bauen könnte. Die fehle in der DDR und mithin gäbe es auch keine Hörnchen zu kaufen. Wolfgang Krumbein entwickelte das Gerät. Und es funktionierte so gut, dass sich der Unternehmer vor Aufträgen nicht retten konnte. „Innerhalb kürzester Zeit gab es eine ellenlange Warteliste“, erzählt Ralf Krumbein, der Sohn des Firmengründers. „Wer seine Hörnchen von der Maschine fertigen lassen wollte, musste darauf fünf Jahre warten.“ Später baute Krumbein eine Dosiermaschine fürs Bäckerhandwerk, die nicht minder erfolgreich wurde.
Erfolge, die sich nahtlos mit der Wiedervereinigung fortsetzte. Die Hörnchen-Wickelmaschine fiel zwar aus dem Produktionsprogramm, weil es massig solche Angebote auf dem Markt gab, doch entwickelte Wolfgang Krumbein weitere Rationalisierungsmittel fürs Bäckerhandwerk. „Im Vierteljahrestakt brachte mein Vater neue Maschinen auf den Markt.“ Dass sich darunter kein Flopp befindet, hat vor allem damit zu tun, dass der Entwickler sich auf die Bedürfnisse im Bäckerhandwerk einstellte. „Dazu suchte er regelmäßig das Gespräch mit den Meistern in der Backstube“, so der heutige Geschäftsführer.
Heute umfasst das Portfolio der Bad Tabarzer Firma, die zu den Hidden Champions (Weltmarkt- und Technologieführer) in Thüringen zählt, Maschinen, die Kuchen und Torten zuverlässig schneiden oder Streusysteme für Puderzucker oder Streusel und natürlich Dosiermaschinen für vielfältige Ansprüche. Sogar Brötchen, Baguettes und Brezel schneiden Maschinen zuverlässig auf. Diese lassen sich mit Transport- und Belegband zu einer Snacklinie kombinieren.
Die in Bad Tabarz hergestellten Rationalisierungsmittel überzeugen mittlerweile Kunden in 95 Ländern. Vertriebspartner sitzen in Europa, Nord- und Südamerika, Asien, Afrika sowie Australien. Für ein Familienunternehmen mit knapp 60 Beschäftigten eine stolze Bilanz. Seit 2016 leitet Ralf Krumbein die Firma. Da es sich am Standort An der Schaltstation nicht weiter ausdehnen kann, hat er den ehemaligen Baumarkt am Ortsrand erworben. Hier soll ein Kundenzentrum entstehen, in dem alle Maschinen vorgeführt werden können, die Krumbein rationell in seinem Programm hat.
Foto: Ralf Krumbein (l.) und Maik Büchner | © Simmen