Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Rene Meier ist Lehrer, unterrichtet Deutsch und Geschichte am Gymnasium. Und er nimmt seinen Job ernst. Gerade deshalb braucht er einen Ausgleich, um nicht im Kreislauf zwischen Klassenraum und Schreibtisch aufgerieben zu werden. Da, sagt er, war ihm der Umgang mit Tieren stets hilfreich. Kaninchen und Enten, Brief- und Rassetauben habe er auf dem Anwesen in Kleinhettstedt gehalten. Dann stand ihm der Sinn mehr nach etwas Exotischem. Wobei sich Meier da gar nicht auf eine Tierart festlegte. Schließlich besuchte er eine Straußenfarm. „Und das war so etwas wie eine Initialzündung. Strauße, die waren genau das, was ich wollte, ohne es bis dahin zu wissen.“ Der Lehrer setzte sich auf die Schulbank, machte seinen Abschluss im Sachkundeseminar Straußenhaltung und startet 2014 mit den ersten afrikanischen Laufvögeln mitten im Ilmtal.

Auch wenn’s sich nicht auf dem ersten Blick erschließen mag, Strauße fühlen sich auch auf unserem Kontinent wohl. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden hier erste Farmen, ohne dass daraus ein wirklich lukrativer Geschäftszweig wurde. Ende jenes Jahrhunderts lebte die Straußenhaltung auf. Und fasste diesmal in der Landwirtschaft Fuß. Das Unternehmen von Rene Meier etablierte sich rasch. Der Hofladen läuft gut, der Kundenkreis in der Gastronomie wächst und mehr und mehr Fleischereien in der Region verkaufen das Straußenfleisch.

Was vor mehr als einem Jahrzehnt begann, hat auch in der Szene an Gewicht gewonnen. Meier hofft nicht zu Unrecht, dass sein Straußenhof im nächsten Jahr schon zum zentralen Ausbildungspunkt für angehende Straußenzüchter in Deutschland wird. Damit wird auch seine Arbeit vor Ort in Kleinhettstedt gewürdigt. Konsequent verfolgt der Pädagoge seine Philosophie: Natürliche Aufzucht und Haltung, ohne Antibiotika und wachstumsfördernde Substanzen. Die Bedingungen werden für die Tiere zudem so nahturnah wie nur möglich geschaffen, das heißt ausreichend Platz und grüne Weiden.

Nach der Schlachtung wird das ganze Tier vermarktet: Straußenfleisch, das weiß man, ist wegen der Qualität von Feinschmecker gefragt. Die Innereien verarbeitet Fleischermeister Jens Schumm zu Wurst. Für diese Produkte gab’s mehrfach Edelmetall auf Wettbewerben. Das Fett vom Strauß, das er als Schutz vor Kälte sammelt, wird in Frankreich zu Straußenöl für die Kosmetikindustrie aufgearbeitet. „Das ist andernorts für uns nicht möglich, deshalb der weite Weg nötig“, begründet Rene Meier. Ansonsten legt er großen Wert darauf, in der Region das Futter für die Tiere zu erwerben und Unternehmen für die Weiterverarbeitung zu finden. Das funktioniere auch gut, sagt er, der Eierlikör werde im Bad Lobensteiner Ortsteil Helmsgrün hergestellt. Um damit die Bonbons zu füllen, die im Hofladen heimlicher Renner sind, muss er auf einen Produzenten aus Rheinland-Pfalz zurückgreifen.

Dass all das funktioniert und der Straußenzüchter dennoch seiner Arbeit an der Schule nachgehen kann, braucht‘s viele Helfer. „Da bin ich froh, dass mich meine Nachbarn, auch im Hofladen, nach Kräften unterstützen“, freut er sich. Gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit, ist das gesunde Fleisch aus ökologischer Haltung für viele Kunden interessant.

Der Hofladen in Kleinhettstedt ist freitags von 17 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

Foto: Rene Meier kümmert sich um seine Strauße | © Simmen