Regionalmanagement Thüringer Bogen:
Vor zehn Jahren hob Jörg Ratzmann in Wandersleben seine kleine Likörmanufaktur Gehratz aus der Taufe. Seitdem stellt er aus Spaß an der Freude diverse Liköre her. Und lässt sie auf bedeutenden Tastings von einer Jury bewerten. Immerhin konnte sich der Mann aus Wandersleben bislang über acht Medaillen in allen drei Farben freuen. Die jüngsten zwei Medaillen heimste er beim London Tasting Award ein. Dort schickte er drei seiner Kreationen ein. Mit Finjas Mahonia – Mahonien Likör, 1a Riserva del Nonno – Mispel-Likör und Limone Magico – Australischer Zitronenblatt-Likör bewarb er sich in der britischen Metropole um die begehrten Auszeichnungen. Der Mahonien-Likör wurde mit einer Goldmedaille bedacht, für den Mispel-Likör gab’s Silber. Und das dritte Erzeugnis wurde von den Juroren immerhin so gut bewertet, dass es knapp an Edelmetall vorbeischrammte.
Das ist noch nicht alles. Finjas Mahonia sprach die Jury auch die Trophäe für den besten Likör zu. „Eine Trophäe (Trophy) ist bei den London Tasting Awards die höchste Stufe der Anerkennung. Sie geht weit über eine einfache Goldmedaille hinaus und stellt die absolute Spitze einer Kategorie dar“, freut sich Ratzmann. „Um überhaupt für eine Trophäe infrage zu kommen, muss ein Produkt in der Vorrunde eine Goldmedaille, in der Regel 90–100 Punkte, erreicht haben. Erst dann nehmen diese Gold-Gewinner an einer weiteren Blindverkostung teil, bei der die Jury die Besten der Besten kürt.“ Für den Kunden bedeutet dieses Trophy-Siegel auf der Flasche, dass es nicht nur handwerklich perfekt ist, sondern außergewöhnliche Typizität und Komplexität besitzt.
„Für den Hobby-Hersteller ist das ein sensationeller Ritterschlag. „Wenn eine kleine, spezialisierte Manufaktur aus dem thüringischen Wandersleben das Epizentrum der globalen Spirituosenbewertung erobert, ist das ein Beben, das weit über die Grenzen des Landkreises Gotha hinaus spürbar ist“, so heißt es in der Mitteilung zu diesem beispiellosen Ergebnis. Das ist umso bemerkenswerter, da das im Nebenerwerb betriebene Ein-Mann-Unternehmen im Konzert der großen Industriehersteller sich durchgesetzt hat. Wo für diese Firmen Fachleute in Laboren an der richtigen Mischung forschen, muss sich Ratzmann auf seinen Geschmacks- und Geruchssinn verlassen. Anstatt Lieferungen für die Ingredienzien zu ordern, macht er sich auf den Weg in Wald und Flur, um einzusammeln, was später in Flaschen abgefüllt werden kann. Mahonie zwar findet er im eignen Garten, für die Mispelernte geht’s hinaus in die Natur.
Für Jörg Ratzmann ist die besondere Ehrung Ansporn. An seiner Art Liköre zu kreieren und herstellen freilich ändert sie nichts: Handarbeit und Chargen in einer Auflage, die seinen Möglichkeiten entsprechen. Im kroatischen Hum, der kleinsten Stadt der Welt, findet das nächste Tasting statt, an dem der Wandersleber teilnimmt. „Vielleicht gibt’s dann wieder Edelmetall. Schön wäre es auf alle Fälle, im zehnten Jahr des Bestehens die zehnte Medaille zu bekommen“, sagt er.
Foto: Jörg Ratzmann bei der Mahonien Ernte | © Simmen