Regionalmanagement Thüringer Bogen:
Am Anfang stand ein bundesweit einmaliger Akt, nämlich die Enteignung von Schloss Reinhardsbrunn. Nach zwei Jahrzehnten Stillstand und Verfall ein längst überfälliger Schritt. Seit 2021 ist der Freistaat Thüringen Eigentümer des historischen Schlosses nahe Friedrichroda. Im 11. Jahrhundert ließ Thüringer Landgraf Ludwig der Springer in der Nähe seiner Stammburg, der Schauenburg, ein Benediktinerkloster errichten, das im Mittelalter eine bedeutende Rolle spielte, ehe es im Bauernkrieg zerstört wurde. Herzog Ernst I. ließ im 19. Jahrhundert hier das Schloss bauen. Seit sich der Freistaat seiner angenommen hat, flossen Millionen von Euro in die bitter nötige Sanierung. Was das gebracht hat, darüber informierte sich Anfang Mai Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) während seines Besuches.
Welche Früchte das tragen kann, davon konnten sich Voigt und Innenminister Maier (SPD) in der Schlosskapelle überzeugen, wo die Sanierungsarbeiten am weitesten gediehen sind. Dach und Fassade sind erneuert. Zum Jahresende soll das historische Gebäude für die Nutzung freigegeben werden. Mit vielfältigen Veranstaltungen zieht dann wieder ein Teil Leben in ein Schloss, das lange im Dornröschenschlaf lag.
Davon freilich ist das sogenannte hohe Haus noch weit entfernt. Die Innenräume sind entkernt. Dass hier einmal Hotelbetrieb herrschte, kann man entfernt erahnen. Etliche Millionen an Euro hat der Freistaat bislang ins Schloss gesteckt. Jeder einzelne davon, so macht Hendrik Schröter vom Landesamt für Bau und Verkehr deutlich, diente allein dazu dem Verfall Einhalt zu bieten. Er rechnet dem Ministerpräsidenten vor, dass in Zukunft weitere 60 bis 80 Millionen Euro für den Erhalt nötig sind. Diese Summe, so schränkt Schröter ein, basiere auf heutigen Berechnungen. In wie weit Inflation und andere Faktoren sie in die Höhe treiben werde, kann nicht vorausgesagt werden.
Doch auch der sogenannte innere Park braucht Pflege und Erneuerung, wie der Ministerpräsident erfuhr. Auch das kostet Geld. Und mehr noch. Zur Schlosspark gehört auch eine Stauanlage. Was einst als Fischaufzuchtteich für ein staatliches Unternehmen gebaut wurde, entspricht heute längst nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben. Um wieder Wasser aufzustauen, müssen Vorgaben erfüllt werden, was zusätzliche Kosten bringt. Im Laufe der Jahre entwickelte sich hier ein Biotop. Das ist in Gefahr, wenn nicht zeitnah der Teich wieder bis zu einer bestimmten Größe gefüllt wird.
Auch wenn Mario Voigt deutlich macht, dass die Landesregierung zu ihrer Verantwortung zum Erhalt der Schlossanlage steht – die angespannte Haushaltslage schließt Zuwendungen in der von Schröter genannten Höhe aus.
Foto: Ministerpräsident Voigt und Innenminister Maier besichtigen Schloss Reinhardsbrunn | © Simmen