Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Im November wird das Dorf Molschleben zum Mekka für ein ganz besonderes Instrument. Dulcimer-Spieler aus ganz Deutschland treffen sich vor den Toren der Residenzstadt Gotha. Jahrestreffen für diese Musikanten gibt es schon viele Jahre. „Jedoch immer in Ludwigsburg in Baden-Württemberg“, sagt Helmut Seidel. Dort wohnt mit Martin Oesterle Deutschlands bekanntester Dulcimer-Spieler.“ In diesem Jahr allerdings sollte das Treffen erstmals in Dresden stattfinden, doch Krankheit verhinderte das. „Da sind wir kurzerhand eingesprungen“, sagt Seidel. Immerhin gibt es in Molschleben eine 15-köpfige Schar begeisterter Musiker, die sich diesem historischen Instrument verschrieben haben. „Mithin die größte Gruppe in Deutschland!“ Am 14. und 15. November wird in der Gemeindeschenke in Molschleben der Dulcimer auf vielfältige Art gefeiert.

Malen nach Zahlen liegt durchaus im Trend. Aber musizieren nach Zahlen? Ist sicherlich nicht so bekannt, sagt Helmut Seidel, funktioniere aber auch prima. Er muss es wissen, hat er doch mit dieser Methode manch einem das Spielen auf dem Dulcimer beigebracht. Und das in kurzer Zeit. Seidel, von Haus aus Gitarrist, musste von seinem Instrument Abschied nehmen, die Finger spielten im Wortsinn nicht mehr mit. Ein Adé von der Musik sollte es jedoch keineswegs sein und so suchte der 74-Jährige nach einem Instrument, das seinen Vorstellungen entsprach, einfach zu spielen sollte es sein und Spaß machen, jede Menge Spaß.

Dulcimer versprach all das und hielt es auch. Zugegeben, Dulcimer, der Familie der Zithern zugeordnet, ist ein altes Instrument, ein sehr altes. Und es trägt viele Namen: Scheitholz oder auch Scheitholt, Hackbrett und in manchen Gegenden sogar Hummel. Die Franzosen nennen es Épinette des Vosges, was man mit Vogesenfichte übersetzen kann. Wo auch immer im Mittelalter aufgespielt wurde, der Dulcimer fehlte nicht. Erst als in der Renaissance die höfische Musik die mittelalterlichen Klänge verdrängte, verlor auch diese frühe Zither an Bedeutung. Nicht ganz, weiß Seidel, weil sie im einfachen Volk ob ihrer vielen Vorteile den Platz behaupten konnte.

Als die Familie aus dem Havelland ihren Lebensmittelpunkt nach Molschleben verlegte, brachte Helmut Seidel den Dulcimer mit. Und es gelang ihm Gleichgesinnte für das historische Instrument im Dorf zu finden. Immerhin 15 Enthusiasten sind es heute, die dem mittelalterlichen Instrument wieder eine Bühne geben, in Molschleben und in den Dörfern ringsum. In diesem Jahr hatten die Musikanten eine beachtliche Zahl von Auftritten. In der Kirche, wo sie ohnehin als musikalische Begleiter gerngesehene Gäste sind. Aber auch auf Mittelalterfesten in der Region hörten die Besucher den Klang dieses Instrumentes. „Viele Dörfer ringsum feierten in diesem Jahr ihr 1250-jähriges Bestehen. Da spielte unsere Gruppe auf!“

Wenn sich die Dulcimer-Spieler aus ganz Deutschland Mitte des Monats in Thüringen treffen, wollen sie keinesfalls unter sich bleiben. „Hinter geschlossenen Türen kann man keine Geselligkeit pflegen“, ist sich Seidel sicher. Wenn am Freitag nach und nach die Dulcimer-Spieler in Molschleben eintreffen, sollen sie auch ihre Instrumente auspacken und mit dem gemeinsamen Musizieren im Saal der Gemeindeschenke das Treffen eröffnen. „Natürlich sind hier Gäste willkommen!“ bekräftigt der Organisator. Am Samstag dann folgen Workshops, die sich nicht nur an die Spieler wenden. Seidel verspricht: In drei Stunden sind die Grundbegriffe für das mittelalterliche Instrument zu erlernen – musizieren nach Zahlen macht es möglich. Also könnte das Dulcimer-Treffen für Interessenten die Tür zu einer neuen Welt öffnen. Samstag übrigens wird auch von allen Teilnehmern ein Stück auf dem Dulcimer eingespielt, das traditionell nach dem Treffen bei YouTube abrufbar sein wird.

Foto: Helmut Seidel an seinem Instrument | © Simmen