Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Rainer Richter ist Gastronom aus Leidenschaft, und das seit einem halben Jahrhundert. Davon hat er rund 35 Jahre in Gotha im Gemeinschaftshaus in der Goldbacher Siedlung gewirkt. Auch wenn er sich nur schwerlich vorstellen kann, nicht mehr für Gäste dazu sein, nimmt der Gedanke sich aus den Berufsleben zu verabschieden, immer mehr Form an. „Im Oktober“, sagt er, „wird es ein rauschendes Fest für meine Stammgäste geben, bei dem wir uns für ihre Treue bedanken“, verspricht er. Ein Fest, das wie so viele, die Rainer Richter im G-Haus veranstaltet hat, lange im Gespräch sein wird. Und mit Ende des Jahres wird er endgültig die Tür zum Gasthaus abschließen.

„Naja“, sagt er und wiegt nachdenklich den Kopf. „Wir haben schon darüber nachgedacht, bis März das Haus weiterzuführen.“ Er fühle sich nicht zum alten Eisen gehörig, allerdings verlangen die Arbeitsjahre ihren Tribut. „Ich kann einfach nicht mehr das Pensum abspulen, das nötig ist“, sagt er. Das hat sich zudem deutlich erhöht in jüngster Vergangenheit, weil es an Mitarbeitern fehlt. Das macht sich besonders bemerkbar in einem Gasthaus, in dem alles, was auf der Speisekarte steht, selbst gekocht wird. Und selbst gebacken, denn auch der Kuchen kommt aus eignem Herd. Das, sagt Richter, habe sich in den Jahren entwickelt und sei zu einem Markenzeichen geworden.

Bevor Familie Richter die Geschäfte im Gemeinschaftshaus übernahm, gaben sich sieben verschiedene Wirte die Klinke in die Hand. „Wir machten in einer Zeit auf, in der die Welt im Umbruch war“, sagt Richter. Plötzlich eroberten Spielautomaten die Gaststuben. „Wir stellten natürlich welche auf. Und das zog Gäste an“, erinnert er sich. Die Phase dauerte nicht wirklich lange. Das G-Haus, als Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in der Goldbacher Siedlung konzipiert, wurde unter der neuen Führung dieser Aufgabe mehr und mehr gerecht.

Rainer Richter verweist auf die vielen Veranstaltungen, die letztlich durch seinen Beitrag in Erinnerung blieben. Unvergesslich sein Auftritt als Kultfigur Mooshammer zum Karneval, unvergesslich, wie er, als Angela Merkel verkleidet, auf einem Esel in den Saal ritt. Unvergesslich auch sein Boxkampf mit Oberbürgermeister Kreuch, der dann gar nicht stattfand, weil „Freunde hauen sich nicht!“ Im Gemeinschaftshaus gründete sich der Verein der Gothaer Bierfassheber, die sogleich das Haus als Wettkampfort nutzen – bis heute.

So, wie sich das Haus kulturell entwickelte, wuchs es auch gastronomisch zu einem Schwergewicht in der Stadt – dank Christa Richter, die für den guten Ruf der Küche im G-Haus steht. Dass dort keine Fertigprodukte verwendet und alle Braten langsam geschmort werden, sprach sich schnell rum. „Schon bald konnten wir all die Familienfeiern gar nicht mehr ausrichten, die nachgefragt wurden.“ Als wegen Corona die Tür zur Gaststube verschlossen blieb, kochte Christa Richter fürs Außer-Haus-Geschäft. Rainer Richter ist heute noch sprachlos, wie viele Menschen dieses Angebot angenommen haben. „Viele davon taten das, um uns zu unterstützen“, weiß er. Dafür könne er gar nicht dankbar genug sein.“

Selbst wenn das Paar damit liebäugelt, doch noch länger im G-Haus zu arbeiten. Die Situation wird sich nicht bessern, der Arbeitskräftemarkt angespannt bleiben. Deshalb sucht Richter einen Nachfolger. Einen, der sich ins gemachte Nest setzt, ohne es sich darin behaglich zu machen. „Dafür, dass der Status der Gaststätte erhalten bleibt, muss sich jeder Wirt rühren, Ideen haben und für seine Gäste da sein.“ Immerhin bietet das G-Haus 120 Plätze, im Ritterkeller sind es weitere 25. Das fordere den künftigen Betreiber, biete jedoch viele Möglichkeiten. Bei Fragen wird Rainer Richter dem Nachfolger zur Seite stehen. Das ergibt sich schon aus dessen Funktion als Vorsitzender der Siedlergemeinschaft, die Eigentümer des Hauses ist.

Foto: Der aktuelle Pächter des G-Haus Rainer Richter | © Simmen