Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Sie gelten als die Fluglotsen der Schiene. Und ohne sie läuft rein gar nichts. Das merken die Reisenden im nördlichen Thüringen mit schöner Regelmäßigkeit. Dort nämlich fehlen jene Fachleute der Bahn, die den Zugverkehr steuern, in relativ kurzen Abständen. Dann müssen sich die Fahrgäste mit Schienenersatzverkehr bescheiden, mit all seinen Misslichkeiten. Adam Smith hat dereinst festgestellt, dass Eisenbahn nur zu fünf Prozent aus Eisen und zu 95 Prozent aus Mensch besteht. Damit ist einprägsam postuliert, dass der menschliche Faktor entscheidend für einen funktionierenden Zugverkehr ist. Das aber braucht bestens ausgebildete Fachleute. Und die kommen künftig aus Gotha. Darauf ist Uwe Kirschberg, Schulleiter des Berufsschulzentrums „Hugo Mairich“ in Gotha, mit Recht stolz.

Mit Beginn des Schuljahres 2025/26 startete hier die Ausbildung zum Eisenbahner/innen in der Zugverkehrssteuerung. Damit schließt sich die Berufsschule einer Tradition an, die vor 70 Jahren mit der Gründung der Ingenieurschule für Eisenbahntechnik in Erfurt ihren Lauf nahm. Dort verblieb die Bildungseinrichtung nicht allzu lang, sondern etablierte sich schließlich in Gotha. Auch heute noch werden an der Fachschule für Bau, Wirtschaft und Verkehr Verkehrstechniker ausgebildet. „Das ist auch der Grund, weshalb wir auf den Gedanken kamen, nicht nur Bachelor- und Masterabschlüsse in Verkehrstechnik anzubieten, sondern auch die Erstausbildung in diesem Fachbereich nach Gotha zu holen“, sagt Andrea Nette, die Leiterin der Gothaer Fachschule. Das würde zudem für eine wachsende Schülerzahl in der Residenzstadt sorgen.

Der Ausbildungsgang für die künftigen Eisenbahner ist zweigeteilt. Einerseits findet er in der Berufsschule, andererseits in der Fachschule statt. Die Kooperation sichert eine fundierte Ausbildung, die über drei Jahre geht. Allein für die drei Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen werden Jahr für Jahr rund 200 Auszubildenden im Bereich Zugverkehrsteuerung benötigt, um den Bedarf abzudecken. Mit dieser Zahl verweist Jana Adamczyk, Leiterin der HR Regio Südost der DB InfraGo AG, auf die Bedeutung der neuen Ausbildungsrichtung in Gotha. In diesem Schuljahr starten 15 junge Menschen, künftig sollen die Zahlen deutlich steigen. Immerhin, so machen die künftigen Eisenbahner deutlich, ist es nicht allein die gute Vergütung von mehr als 1200 Euro monatlich bereits im ersten Lehrjahr, die lockt, sondern die reizvolle und vor allem spannende Aufgabe, die sie in ihrem künftigen Beruf erwartet. Einige von ihnen können auf Eisenbahntradition in der Familie verweisen.

Gothas Landrat Onno Eckert erinnerte bei der Begrüßung der neuen Auszubildenden an die lange Tradition, die Verkehrstechnik in der Stadt Gotha hat und auch daran, dass hier Waggons und Straßenbahnen gebaut wurden, es einst ein Reichsbahnausbesserungswerk gab. In den beiden Bildungseinrichtungen werde diese Tradition nun fortgeführt. „Ein Grund stolz zu sein“, betonte der Landrat. „Auch weil es unterstreicht, dass wir eine hoch geschätzte Bildungsregion sind.“

Foto: Annekatrin Heinz, Negin Teymoon und Jenny Bergmann (v.l.) sind drei der 15 Auszubildenden, die Eisenbahnerinnen für Zugverkehrssteuerung werden wollen. Für drei Jahre ist Gotha ihr Ausbildungsort. | © Simmen