Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Wenn sein Weihnachtssenf erwähnt wird, zieht Ulf Morgenroth ein bisschen die Nase kraus. Das sei nicht seine Sorte, sagt er. „Aber die Kundschaft wünscht sich das und deshalb produziere ich auch diesen Senf gern und mit der gebotenen Sorgfalt.“ Schon Anfang November steht diese Sorte im Verkaufsregal. Und es gibt viele Kunden, die schon sehnsüchtig auf den Senf mit Lebkuchen, Glühwein und Orange warten. „Auch wenn er nicht mein Ding ist, bedeutet es ja nicht, dass er gar nicht schmeckt und Kunden leckere Rezepte haben, für die unser Weihnachtssenf unerlässlich ist.“ Morgenroth ist sicher, wenn wir alle den gleichen Geschmack hätten, bräuchte es nur eine Senfsorte und das wäre wirklich sehr langweilig. Besonders für einen Müller, der sich der Senfherstellung verschrieben hat.

Mittlerweile hat die Kunst- und Senfmühle in Kleinhettstedt 22 Sorten im Portfolio. „Und die fußen auf drei Sorten, nämlich dem Scharfmachersenf, dem Thüringer Senf süß und dem Premiumsenf“, erläutert Morgenroth, „der jeweilige Geschmacksgeber kommt dann halt hinzu.“ Nicht immer wird bei neuen Sorten der Geschmack der Thüringer getroffen. Als in Ilmtal Estragon-Senf nach österreichischem Vorbild hergestellt wurde, zeigten die Kunden dem Produkt die kalte Schulter. „Der lief gar nicht, also haben wir ihn wieder aus dem Programm genommen. Mit den 22 Sorten bedient das Unternehmen den Geschmack seiner Kunden. Deshalb werde er auch wenig an seinem Sortiment ändern, bekräftigt der Senfmüller. Alle 22 Geschmacksrichtungen haben ihren Kundenstamm.

In Kleinhettstedt werden die Senfkörner, die übrigens im Thüringer Becken, in Mittelsömmern vom Landwirtschaftsbetrieb Dr. Marold angebaut werden, sehr langsam und damit kalt vermahlen. Das sichert im Senfmehl die für Schärfe und Geschmack verantwortlichen ätherischen Öle. Für Ulf Morgenroth steht und fällt damit die Qualität des künftigen Senfs. Er lässt es sich auch nicht nehmen, eignes Senfschrot herzustellen. Er bekommt die ganzen Körner angeliefert und schrotet sie auf der alten Mühlentechnik.

Die Mühle an der Ilm ist seit 1732 in Familienbesitz. Ulf Morgenroth ist der Müller in neunter Generation. Bis 1990 wurde hier noch Getreide vermahlen. Danach besann sich die Familie auf die Senfmüllerei, die Mitte des 19. Jahrhundert schon einmal ein wichtiges Standbein war. Aus dieser Zeit stammen auch Rezepte für die Senfherstellung.

Öffnungszeiten Senfladen/Senfmühle
Di – So: 10.00 – 16.30 Uhr
Montag: Ruhetag
Mittagspause 12.00 – 12.45 Uhr

Foto: Ulf Morgenroth präsentiert zwei seiner Senfsorten | © Simmen