Regionalmanagement Thüringer Bogen:
Es müssen nicht immer die Schweizer sein; wenngleich niemand ihnen die Erfindung dieses Hustenbonbons streitig machen will. Die Gothaer hingegen sind es, die vielmals die Hand heben können, wenn der Urheber wichtiger Innovationen gesucht wird. Wir waren es, die Gothschen! In der 1250-jährigen Geschichte ist da wahrhaftig einiges zusammengekommen.
Beispiele gefällig? Die Erfindung des allseits beliebten Plüschtiers wird Emil Wittzack zugeschrieben. 1879 begann er in Gotha mit der Produktion sogenannter weichgestopfter Tierkörper. 1893 meldete er dafür Gebrauchsmuster an, noch bevor das Margarethe Steiff mit ihrem Teddy tat. Generationen von Kindern hatten jede Menge Spaß auf Karussells von Fritz Bothmann. Bereits 1883 lieferte der Gothaer sein erstes dampfbetriebenes Exemplar nach Erfurt. Dass man auf Anhieb auf den Landkarten erkennt, ob es sich um Wasser, Berge oder Flachland handelt, natürlich auch das eine Gothaer Innovation. Was Emil von Sydow erdachte, nämlich blau für Wasser und grün fürs Tiefland sowie braun für Gebirge, überzeuge Verleger Justus von Perthes auf Anhieb, so dass fortan Landkarten und Globen aus Gotha diesem Muster folgten.
Das und vieles mehr ist aus Anlass des 1250-jährigen Stadtjubiläums im Herzoglichen Museum in Gotha in der Sonderausstellung „Gotha genial?! Geistesblitze und Dauerbrenner aus 1250 Jahren“ zu bestaunen. Dabei verzichtete Kuratorin Sonja Grulke darauf, die Erfindungen in zeitlicher Reihenfolge aufzuzählen. Die Entwicklung Gothas prägten Menschen. Und die werden in den Mittelpunkt gerückt, was mit dem Rückgriff auf Themenbereichen recht anschaulich funktioniert. Und es zeigt sich, dass Erfindergeist durchaus von Gotha getragen wird, in dem die Stadt die Möglichkeiten zur Entfaltung schafft.
In der Sonderausstellung werden erfreulicher Weise die kulinarischen Seiten der Stadt nicht ausgespart. Es wird an die Brauereigeschichte erinnert und an den legendären Gothaer Wermuth. Und auch der gleichnamige Kranz ist in den Mittelpunt gerückt. Für die von Alfred Maasberg kreierte echt Gothaer Tortenspezialität steht auch ein Abreißblock mit dem Rezept für die Museumsbesucher bereit. Dieser musste bereits neu gedruckt werden, so groß zeigt sich die Nachfrage nach Gothas süßer Seite. Konfrontiert wird der Besucher auch mit Gothaer Mundart. Und er erfährt, dass nach einem Rückgang „Goth’sch“ in den 1990er Jahren wieder belebt wurde, dankenswerter Weise.
Dass im Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha bereits 1642 die Schulpflicht eingeführt wurde, und darob die Bauern klüger waren als andernorts die Edelmänner, ist hinlänglich bekannt. Und dass von Gotha aus mit den Romanen von Kurd Laßwitz die Science-Fiction-Literatur die Welt eroberte, weiß man ebenfalls. Und doch ist selbst für den Gotha-Kenner manch neue Facette in der Ausstellung zu entdecken, die noch bis Oktober im Herzoglichen Museum zu sehen ist.
Foto: Einige der Ausstellungsstücke | © Simmen