Regionalmanagement Thüringer Bogen:
„Thür auf – Innovation im Dialog“ – unter diesem Titel lud das Technologie- und Gründerzentrum Ilmenau (TGZ) zum letzten Vortragsabend 2025 ein. Und widmete sich dabei einem spannenden Thema, in dem der Frage nachgegangen wurde, welchen Einfluss der Windkraftanteil auf die Gesamtkosten des Energiesystems in Thüringen hat. Prof. Dr.-Ing. Viktor Wesselak von der Hochschule Nordhausen stellte die Modellrechnung vor. Sie basiert auf einem detaillierten Energiesystemmodell, das die regionale Energieversorgung im Stundenverlauf abbildet und sowohl technische Potenziale als auch künftige Energiebedarfe berücksichtigt.
Allerdings, und das machte dieser Abend im TGZ Ilmenau vorab deutlich, stehen der Energiewende nicht unerhebliche Hürden im Wege. Die Fakultät Wirtschaftswissenschaften und Medien der TU Ilmenau hat eine Studie zu Verschwörungserzählungen im Kontext der Energiewende erstellt. Und die brachte überaus beunruhigende Ergebnisse. „Rund ein Drittel der Befragten vermutet, dass die Energiewende ein Vorhaben ist, das von dunklen Mächten gesteuert wird. Zudem zeigt sich, dass die Mehrheit der befragten Menschen bezweifelt, dass die Energiewende in Deutschland wirklich gelingen wird“, erklärte Dr. Dorothee Arlt. Die von der Technischen Universität erstellte Studie zu diesem Thema zeigt, dass der Verschwörungsglaube stabil in weiten Teilen der Thüringer Bevölkerung verankert ist. 50 Prozent stimmte der Aussage zu, dass einflussreiche politische Zirkel die Energiewende verantworten und dabei eigene, finstere Ziele verfolgen. Schlussfolgernd sieht Arlt notwendige Aufklärung und die Befähigung zur Faktenprüfung, um gegen Desinformation anzugehen.
Das sei besonders bei den Windkraftgegnern von Bedeutung, formulierte Wesselak. Der Professor der Nordhäuser Hochschule wies an Hand der eingangs genannten Studie nach, dass die Verfügbarkeit von Windkraft sich signifikant auf die Energiekosten in Thüringen auswirkt. In der Studie wird ein Ausbau der Windkraft auf zwei Prozent der Landesfläche ebenso simuliert, wie ein völliger Verzicht auf Windkraft im Freistaat. Dabei zeigt sich, dass fehlende Windstrommengen zum Import deutlich teureren Stroms führen. Mit anderen Worten: Die Studie der Hochschule zeigt, dass bei einem Ausbau der Windkraft auf zwei Prozent der Landesfläche Thüringen einen ausgeglichenen Haushalt von importierten und exportierten Strom hat. Jede Verringerung der Fläche führt zu einer Kostensteigerung.
In der anschließenden Diskussion konnten die Besucher mit den Referenten das jeweilige Thema vertiefen. Dabei zeigte sich, dass im Bereich der Windenergie noch viel Gesprächsbedarf besteht. Die Reihe „Thür auf – Innovation im Dialog“ wird in diesem Jahr mit weiteren spannenden Themen im Ilmenauer TGZ fortgeführt. Die nächste Veranstaltung ist am 15. Januar (18 Uhr). „Das Thema internationale Fachkräfte ist ein gesellschaftspolitischer Bereich, der tief in die wirtschaftliche Zukunft Thüringens hineinreicht und mit Ressentiments, Vorurteilen aber auch viel Engagement aufgeladen ist. Dieser Gemengelage wollen wir in einem Vortragsabend mit Fakten begegnen.
Wie ist die aktuelle Lage in Thüringen tatsächlich? In welchen Branchen sind internationale Fachkräfte besonders stark vertreten und mittlerweile auch unverzichtbar? Wie werden Fachkräfte mit Migrationshintergrund in den Arbeitsalltag eingebunden und welche besonderen Anforderungen gibt es dabei? Wie verändert sich die Unternehmenskultur und wie profitieren deutsche Fachkräfte von ihren ausländischen Kollegen?“ umreißt Uta Jenennchen vom TGZ Ilmenau das Anliegen.
Foto: Viktor Wesselak von der Fachhochschule in Nordhausen | © Simmen