Regionalmanagement Thüringer Bogen:
Bis zum Überfall Putins auf sein Heimatland hat Oleg Tkachov mit seiner Familie in Charkiw gelebt, die zweitgrößte Stadt in der Ukraine nach Kiew. Seine Flucht vor dem Krieg führte ihn nach Ilmenau, in eine Kleinstadt. „Das ist schon ein Unterschied, aber auch wenn Ilmenau klein ist, hat es doch viel Potential“, sagt der Ukrainer, „und eine gewisse Beschaulichkeit lernt man schnell zu schätzen.“ Er hat sich frühzeitig entschlossen, seinen Lebensunterhalt in Deutschland selbst zu verdienen. Und um den Weg dahin rasch und gradlinig zu gestalten, meldete der Maschinenbauer kurzerhand ein Gewerbe an. Design und Engineering, steht auf seiner Visitenkarte. Dahinter verbirgt sich ein vielfältiges Portfolio: Tkachov gestaltet CAD-Design, fertigt technische Zeichnungen und stellt Prototypen her, im 3D-Druck erfüllt er Kundenwünsche. Selbst Silikonformen gehören zu seinen Angeboten.
Weil Produktion die eine Seite und Kundenbetreuung beziehungsweise Kundenakquise die andere ist, stieß der Unternehmer oftmals an seine Grenzen. „Ein Gespräch in entsprechender Runde gestaltete sich nach 17 Uhr sehr schwierig für mich, weil es an einem geeigneten Ort dafür fehlte“, sagt er. Deshalb griff der Diplom-Ingenieur auch sofort zu, als das Technologie- und Gründerzentrum Ilmenau (TGZ) das Pop-up-Office für Interessenten öffnete. „Nun konnte ich auch am Abend Kontakte knüpfen und meine Leistungen in einem ansprechenden Ambiente vorstellen“, erzählt Oleg Tkachov. Zwar sind vier Wochen keine Ewigkeit, jedoch hat der Ukrainer in dieser Zeit viel für sich bewegt, Kontakte geknüpft und manchen Auftrag festgemacht.
„Das ist ja der Grundgedanke dieses Angebots“, sagt Uta Jenennchen, Koordinierungsstelle der Thüringer Gründungszentren. Damit ist den Existenzgründern ein Instrument in die Hand gegeben, ein Netzwerk mit anderen Unternehmen aufzubauen. Was der Ukrainer in Thüringen bietet, ist besonders für kleineren Unternehmen von großem Interesse. Er kann Kleinserien herstellen und Prototypen aus Kunststoff entwickeln. Er hofft, dass sein Kundenstamm nachhaltig wachsen wird. Die vier Wochen mietfreie Nutzung des Pop-up-Office im Ilmenauer Technologie- und Gründerzentrum haben dafür den Weg geebnet, ist sich Tkachov sicher. Deshalb kann er nur raten, das Angebot zu nutzen.
Nicht nur mit seiner Firma ist er in Thüringen angekommen. Seine Kinder fühlen sich in Kindergarten und Schule wohl und sprechen mittlerweile schon prima Deutsch. Und sie haben, ebenso wie ihre Eltern, viel Spaß daran, die Wälder rings um ihre neue Heimat zu durchstreifen.
Foto: Oleg Tkachov ist der erste Nutzer des Pop-Up-Office | © Simmen
