Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Die traditionelle Hengstschau Mitte März zog einmal mehr viele Pferdefreunde ins Gestüt Käfernburg nach Angelhausen. Inhaber Helmut Unger schätzt, dass mehr als 450 Interessenten den Weg in die Reithalle fanden. „Die Tribüne war voll besetzt“, sagt er und freut sich über diese Wertschätzung seiner Arbeit. Seit Kindertagen ist ihm das Gestüt Heimat. Wobei, damals bestand auf dem Gelände eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG), in der seit Beginn der 50er Jahre Pferde gehalten wurden. Später entstand daraus eine Staatlich anerkannte Pferdezucht. Dieses Prädikat bekamen Betriebe, wenn Pferde aus ihrer Zucht für den Export taugten. Die kamen ins Hengstdepot in Neustadt an der Dosse, wo sie über Schalck-Golodkowskis Imperium zu den Käufern gelangten. Wohin die Pferde aus ihrer Zucht verkauft wurden, erfuhren die Angelhäuser Pferdewirte nicht. Das System brach mit der DDR zusammen. Und auch die LPG wurde abgewickelt. Für Helmut Unger eine Zeit der Ungewissheit und des Aufbruchs.

„Na ja, die Zucht lag über die Jahre in den Händen meines Vaters“, erzählt er, „im Alter von sechs oder sieben saß ich hier zum ersten Male im Sattel. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass es die Ställe und Anlagen nicht mehr geben sollte und die Pferde verkauft wurden.“ Und so gewann der Gedanke, all das zu übernehmen und in eigner Regie fortzuführen, mehr und mehr an Gestalt. Das bedeutete jedoch im Fall der Liquidation muss Unger alles übernehmen, selbst die Schweine- und Rinderställe und alle Beschäftigten, immerhin 17 Arbeitskräfte. Letzteres regelte sich zum Glück von allein, weil die Mitarbeiter in Rente oder in Vorruhestand gingen. Und auch alle Nutztiere, außer den Pferden, wurden verkauft. Das heißt, von einigen hervorragenden Zuchtstuten musste sich der neue Besitzer ebenfalls trennen, weil die Einnahmen nötig gebraucht wurden. Mit diesem Geld und den Krediten für landwirtschaftliche Wiedereinrichtung startete schließlich das Gestüt Käfernburg. Mit drei Gesellschaftern und ohne den eigentlich nötigen Maschinenpark.

Nach nur wenigen Monaten blieb Helmut Unger als letzter und damit einziger Gesellschafter übrig. Dafür stieg die Familie ins Unternehmen ein, das nun als GbR firmiert: die Ehefrau, Sohn Michael, der damals gerade seine Lehre beendet hatte, dessen Frau, und die Tochter des Firmengründers. Mit diesem Team baute Unger mit den Jahren ein leistungsfähiges Gestüt auf – aller Unkenrufe zum Trotz. „Es gab nicht wenige Stimmen, die uns nicht einmal zutrauten, länger als ein Jahr durchzuhalten“, blickt er zurück. Mittlerweile hat das Gestüt als Mitglied im Zuchtverband Sachsen-Thüringen einen hervorragenden Ruf. Die Pferdewirte bauen ihr Tierfutter selbst an. Dafür nutzen sie ihre eignen Maschinen.

Viele, die zu Beginn der 90er Jahre die Chance nutzten, sich etwas Eignes aufzubauen, suchen heute einen Nachfolger, vielfach vergebens. So ist das Ende manchen Unternehmens abzusehen. Helmut Unger kann da gelassen in die Zukunft blicken. Seine Enkeltochter hat sich mit Leidenschaft der Pferdezucht verschrieben. Ihren Abschluss als Pferdewirtin im Bereich Zucht hat sie in der Tasche. Jetzt lässt sie sich als sogenannter Bereiter ausbilden. Dahinter verbirgt sich die Befähigung Pferde in Dressur und Springen auszubilden, sie auf Leistungsprüfungen vorzubereiten, zu pflegen und zu versorgen. „Und dann“, sagt der Großvater voller Stolz, „wird sie das Familienunternehmen weiterführen.“

In Gestüt Käfernburg stehen rund 130 Pferde. Gezüchtet werden hier einmal das schwere Warmblut, Pferde also, die als Kutschpferde besonders gefragt sind. Die zweite Rasse ist das Deutsche Sportpferd, also das Reitpferd schlechthin. Auf der sportlichen Bühne, egal ob im Spring- und Dressurreiten oder im Fahrsport – Pferde aus Angelhäuser Zucht haben sich auch international bewährt. In der Region sie ebenfalls präsent. Auf dem Gestütsgelände hat der Reit- und Fahrverein Angelhausen seinen Sitz. Vorsitzender ist hier, wen wundert’s, Helmut Unger. Besonders Mädels pflegen im Verein ihre Leidenschaft für Pferde. Neben dem Sport lernen sie hier Verantwortung fürs Tier zu übernehmen. Die Reiturniere, die der Verein ausrichtet, wenden sich vorwiegend an Kinder. Unger liegt der Breitensport am Herzen, um seine Liebe für Pferde an die junge Generation weiterzugeben.

Foto: Familie Unger mit einem ihrer Pferde | © Simmen