Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Urban Trails, also städtische Wanderwege, sind im Kommen. Ins Ruhrgebiet pilgern die Stadtwanderer in Scharen, um in Dortmund, Mühlheim an der Ruhr, Gelsenkirchen oder Hagen die Region außerhalb der bekannten Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Für solch ein Erlebnis muss man freilich nicht bis in den Ruhrpott reisen: Auf dem Energie- und Umweltpfad ist auch Ilmenau aus ganz neuem Blickwinkel zu entdecken, nicht nur zu Fuß, sondern ebenso mit dem Fahrrad.

Begonnen hat alles mit der Idee von Roger Wöhner, der seinerzeit als Gasmeister der Stadtwerke Ilmenau fungierte. Dem Mann war klar, sowohl die Trafo- als auch die Gasdruckregelhäuschen ziehen „Graffiti-Künstler“ magisch an. Und was sie an Werken auf den freien Flächen hinterlassen, findet selten ungeteilte Freude. Folglich beauftragten auf sein Betreiben hin die Stadtwerke den Ilmenauer Künstler Gabor Katai, die technischen Anlagen künstlerisch zu gestalten. Insgesamt sind auf diese Weise an den kleinen Häuschen 19 Kunstwerke entstanden. Sie erzählen beispielsweise von der Natur in der Region, nehmen Bezug auf die Tierwelt nahe der Ilmenauer Teiche, bringen das Unterpörlitzer Pirsch-Häuschen wieder in Erinnerung, verweisen auf die Universitätsstadt und unterstreichen den Wert der Hummel für eine intakte Umwelt. Es gibt also viel zu entdecken.

Schon die Ansammlung farbenfroh gestalteter Trafo- und Gasdruckregelhäuschen ist deshalb ein Gewinn für die Region – und schützt sie vor Schmierereien. Doch damit wollte sich Ideengeber Wöhner keineswegs zufriedengeben. Wenn die einzelnen Stationen verbunden werden, könnte ein weitaus größerer Mehrwert entstehen, ist sich der ehemalige Gasmeister sicher. Natürlich kann sich jeder die 19 Stationen auf eigne Faust besehen und die Gedankenvielfalt des Künstlers bewundern. Und er kann sein Handy zücken, um den QR-Code auszulesen. Die Infos über Gasdruck und Versorgungsdaten sind auch für die Laien interessant. Allerdings kann auch dem Energie- und Umwelt-Spazierweg gefolgt werden, den Wöhner und seine Mitstreiter eingerichtet haben. Vier Runden an der Zahl gibt es, die bequem zu bewältigen sind und deshalb für Familienausflüge bestens geeignet sind. Die Innenstadtrunde führt auf 3,1 Kilometer durch Ilmenau und die Stollenrunde misst beispielsweise 4,8 Kilometer. Extra für Radler ist die Fahrradrunde konzipiert, wobei die sechs Kilometer auch zu Fuß keine allzu große Herausforderung darstellen. Selbst eine Hunderunde ist entstanden. Den Wuffi wird’s freuen, dass er fast sieben Kilometer unterwegs sein darf – von den Ilmenauer Teichen bis nach Unterpörlitz.

Diesen Wegen zu folgen, macht nicht nur Spaß, es ist Heimatkunde der besonderen Art. Denn für die kleinen Wanderungen steht ein digitaler Begleiter zur Seite. Einfach den QR-Code scannen und schon gibt’s Geschichten und Geschichte, Rätsel und vielerlei Wissenswertes. Und eine knifflige Quizfrage. Die zu beantworten lohnt, denn für die richtigen Lösungen wartet im Kundenbüro der Stadtwerke eine digitale Wanderurkunde und ein kleines Naturentdecker-Geschenk. Dort übrigens kann auch der Wanderplan für die einzelnen Routen erworben werden. Zwar ist der Ideengeber für diese Ilmenauer Urban Trails mittlerweile im Ruhestand, erledigt ist für ihn diese Geschichte jedoch nicht. Roger Wöhner hat ein waches Auge darauf, dass die Wege gepflegt bleiben und die Kunstwerke keine Schäden nehmen. Das tut er seit kurzem ganz offiziell. Die Ilmenauer Stadtverwaltung hat ihm mittels einer Ehrenamtsvereinbarung zum Wegewart ernannt. Er ist jetzt also ganz offiziell der Mann, der die Spazierwege im Außenbereich pflegt. Dabei steht ihm ein fleißiger Helfer zur Seite: Enkelsohn Egon. Mit ihm hat er bereits Brennnesseln entfernt und Wegabschnitte freigeschnitten. Egon und Opa sind ein eingespieltes Team. Eines, das Verantwortung für die Heimat übernimmt.

Foto: Egon mit seinem Opa auf dem Urban-Train Ilmenau.