Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Der Fuchs hat den Pfau geholt. Das ist bitter, denn der war das Wappentier vom Förderverein „Neues Kloster“ in Ichtershausen. So traurig die 23 Vereinsmitglieder auch über diesen Verlust sind, das (Vereins)leben geht weiter. Vorsichtshalber haben die Hühner Hausarrest verordnet bekommen, damit dem Fuchs keine weitere Gelegenheit gegeben wird sich zu bedienen. „Normalerweise läuft das Federvieh auf unserem Gelände frei herum“, sagt Vereinsvorsitzender Harry Anschütz. Das sei ein großer Spaß für die Kinder, die manchmal die Hühner füttern können. Oder die Ziegen in ihrem Gehege. „Im Grunde sind wir ein Gnadenhof, wo die Tiere bis zum Ende betreut werden.“

Das war nicht immer so. Gleich nach der Wiedervereinigung, als das Ende der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) besiegelt war, hat der damalige Gemeindepfarrer Sterzig von wo auch immer Geld zusammengekratzt und die Gärtnerei der ehemaligen LPG gekauft. Danach wurde hier unterm Dach des Vereins Gemüse angebaut, gab es eine Schweinehaltung und für Eierproduktion saßen rund 200 Hühner im Nest. Ende 2013 war der Verein insolvent. Es gab Bestrebungen, so weiß Anschütz, das ganze Anwesen an einen gemeinnützigen Verein nach Erfurt zu übertragen. Doch der damalige Bürgermeister Uwe Möller machte sich stark und konnte das verhindern, zum Glück. Denn das „Neue Kloster“, obwohl ein eher kleiner Verein, entwickelte sich zu einem Anziehungspunkt nicht nur für Ichtershäuser.

Derzeit machen die Vereinsmitglieder die Gewächshäuser fit für die Frühjahrsaussaat. Später kommen die Gemüsejungpflanzen in den Boden. Die Erlöse der hoffentlich reichlichen Ernte fließen in die Vereinskasse. Ebenso wie das Geld aus dem Verkauf regionaler, landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Sieben Tage in der Woche hat der kleine Laden geöffnet, was viele Kunden schätzen. Bio-Eier und Nudeln, Eierlikör und Bio-Honig sowie später dann eigne Erzeugnisse aus der Bio-Gärtnerei werden dort angeboten. Viele Ichtershäuser nutzen das Angebot. Und das ist gut so, denn der Verein ist chronisch klamm. „Im vergangenen Sommer ging unser Traktor kaputt. Auch wenn die Firma Pfeifer Landmaschinen aus Riechheim uns weit entgegenkam, um die Reparatur bezahlen zu können, waren wir auf Spenden angewiesen“, erzählt der Vereinsvorsitzende. Glücklicherweise wollten viele Menschen den Kloster-Gärtnern aus der Misere helfen. „Das freut uns natürlich und zeigt, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird.“

Für die Pfiffikusse vom gleichnamigen Kindergarten in Ichtershausen ist das Klostergelände der erweiterte Spielplatz. Nahezu täglich besuchen sie das Gelände, halten Kontakt zu den Tieren und erleben, wie Nahrungsmittel angebaut werden. Das sei auch in der Vereinssatzung festgeschrieben, sagt Harry Anschütz. „Wir wollen unsere Besucher, besonders die kleinen, mit ökologischem Gartenbau und der Produktion von Nahrungsmitteln vertraut machen. Und wir wollen den Respekt vor Tieren und der Umwelt vorleben.“ Dafür sind die Vereinsmitglieder täglich vor Ort. Was dem Vorsitzenden Sorgen macht, ist die Altersstruktur. Der Durchschnitt liege über 65 Jahre, bedauert unser Gesprächspartner. An der Einsatzbereitschaft des Einzelnen sind freilich keine Abstriche zu machen. „Jeder im Verein legt sich für unseren Gemeinschaftsgarten ins Zeug.“

Im April öffnet wieder der Wasserspielplatz, wo unterschiedliche Altersklassen beim Matschemachen großes Vergnügen haben. Während die Kleinen unterm Sonnensegel nach Herzenslust mit Sand und Wasser experimentieren können, bieten die Vereinsmitglieder den Großen Eis, Kaffee und weitere Getränke an.

Foto: Vereinschef Harry Anschütz zeigt einen Teil des Sortiments | © Simmen