Regionalmanagement Thüringer Bogen:
Als sich André Thiel an jenem Tag im Jahr 1991 auf den Weg machte, um bei einem Kunden eine neue Heizung einzubauen, ahnte der Klempnermeister nicht, dass damit sein Leben eine entscheidende Wendung nehmen würde. Besagter Kunde zeigte sich über die neue Technik, die künftig für mollige Wärme sorgen soll, so begeistert, dass er dem Elgersburger kurzerhand eine gusseiserne Ofenplatte schenkte. Damit war der Grundstein für ein ungewöhnliches Museum gelegt, nämlich für das Kleine Ofenmuseum in der Jägerstraße 12 in Elgersburg. Heute können die Besucher dort rund 80 gusseiserne Öfen bestaunen, detailreich und liebevoll gestaltet, und mannigfaltiges Zubehör dazu. All das hat der Sammler liebevoll in vielen Arbeitsstunden restauriert.
Zunächst jedoch machte sich Thiel auf die Spurensuche, um Näheres über seine Ofenplatte zu erfahren. In der Regel stammen diese Teile aus dem 15. oder 16. Jahrhundert und die Abbildungen widerspiegeln biblische Themen. „Oftmals“, sagt der Betreiber des Museums, „sind diese jedoch vom Zahn der Zeit arg angegriffen, so dass die Bilder kaum noch zu erkennen sind.“ Das sei wenig verwunderlich. Als die Öfen nicht mehr genutzt wurden, funktionierten die Menschen die Platten kurzerhand um und befestigten damit, die Bildseite nach unten gelegt, Wege im Garten oder deckten Jauchegruben ab. Je tiefer André Thiel sich in der Materie vergrub, um so mehr wuchs sein Interesse an den Gerätschaften, die oftmals nur an wenigen Tagen im Jahr angeheizt wurden. „Diese Öfen waren Statussymbole, da wollte der Besitzer zeigen, was er sich leisten kann!“

Ein besonderes Exemplar dieser Gattung ist der gusseiserne Ofen, auf dem das Märchen von den sieben Raben erzählt wird. „Für diesen Ofen wurde die Geschichte auf insgesamt acht Bilder reduziert. Das glückliche Ende befindet sich auf dem dreibogigen Feld an der Vorderseite des Ofens. Die Tür zur Kochröhre ist mit stilisierten Adlern in durchbrochener Arbeit geziert“ erzählt Thiel mit Begeisterung. „Links und rechts im Giebel ist ein Portrait von Moritz von Schwind, der den Bilderzyklus entwarf. Von diesem speziellen Modell eines Regulier-Füllofen sind nur zwei Exemplare bekannt.“ Gebaut wurde er 1880.
Nicht immer ist es für den Elgersburger einfach, die Geschichte eines Ofens zu rekonstruieren. Es gibt Kataloge, in denen er fündig wird. Die sind in aller Regel in Privatbesitz, doch da André Thiel in Fachkreisen längst einen überaus guten Ruf hat, bekommt er zu solchen Unterlagen Zugang. Zum Ziel führt das allerdings nicht zwangsläufig. Über den jüngst erworbenen Ofen hat er in keinem Katalog Informationen gefunden. Die Hersteller konzentrierten sich damals auf die heutigen Bundesländer Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Schon früh begann Thiel seine zunächst kleine Sammlung Interessenten zugängig zu machen. Zunächst in Wohnhaus und Schuppen präsentierte er seine Säulen- und Plattenöfen, Mandel- und Kaminöfen. Dabei stellte er sie nicht einfach zur Schau, sondern erzählte dazu, welche Informationen er zusammengetragen hatte. „Diese Aufgabe hat meine Frau Erika übernommen“, freut sich der Handwerker. „Sie hat all die Fakten auf Schiefertafeln aufgeschrieben, mit der die Ausstellungsstücke begleitet werden.“
Das Kleine Ofenmuseum in Elgersburg ist mittlerweile weit über die Thüringer Grenzen hinaus bekannt. Liebhaber gusseiserner Öfen reisen gezielt in den Ort nahe Ilmenau. Touristen, die in der Region ihren Urlaub verbringen, klingeln einfach aus Neugier an der Scheune, die heute die Ausstellung beherbergt. Diese hat Thiel 2007 erworben, drei Jahre lang umgebaut und so einen würdigen Raum für seine Sammlung geschaffen. Einmal besuchte auch eine Gruppe Japaner seine Schau. Die weilte auf Einladung der TU Ilmenau in Thüringen und zeigte sich von den Öfen begeistert. Diese sind nicht nur Zeugnisse für die kunsthandwerklichen Fähigkeiten ihrer Schöpfer, sondern bestechen auch durch bemerkenswerten technischen Einfallsreichtum.
Fotos: Eindrücke aus dem Ofenmuseum | © Simmen