Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Nach 2700 Kilometern und mehr als die Hälfte des Weges ist erst einmal eine größere Pause angesagt. „Wir machen Camping mit allem, was dazu gehört“, sagt Heinz Bley. Das klingt zu nächst nach Ferien, ist davon jedoch weit entfernt. Am türkischen Grenzübergang Kapikule muss der Friedenstreck auf dem Weg nach Jerusalem eine Zwangspause einlegen. Organisator Pfarrer Helmut Kauz zuckt mit den Schultern: „Unser Problem ist, es gibt kein Formular für die Einreise eines Trecks. Und jetzt arbeiten die Verantwortlichen mit Hochdruck daran, dass eine fachlich fundierte Entscheidung getroffen wird. Wir wissen nur noch nicht, ob wir weiterreisen dürfen oder zurück nach Bulgarien geschickt werden.“ Mit Hochdruck heißt, Kauz rechnet mit mindestens einer Woche, ehe es weitergeht. In welche Richtung auch immer.

Heinz Bley, Bürgermeister von Crawinkel und Treckteilnehmer, sieht die Situation keineswegs pessimistisch. Auch wenn er glaubt, dass der Aufenthalt am Grenzübergang sogar länger als eine Woche dauern kann. „Die Behörend arbeiten hier wie in Deutschland, nämlich sehr, sehr genau.“ Erfreulich bei allem sei doch, dass der Friedenstreck die Türkei erreicht habe. Und an der Situation sei man selbst auch ein wenig schuld, weil der richtige Antrag für die Durchreise nicht gestellt wurde. „Wir hätten explizit darauf eingehen sollen, dass wir nur Landstraße auf unserer Reise nutzen und Straßen wie Autobahnen und Schnellstraßen meiden.“ Genau dieses Konzept wird jetzt von den Treckmitgliedern erarbeitet und zeitnah vorgelegt.

Bley lobt noch einmal die Bedingungen, die von den türkischen Behörden für den Friedenstreck geschaffen wurden. „Schon am ersten Tag, als klar war, es stockt hier mächtig, wurde unbürokratisch Wasser für Mensch und Tier bereitgestellt. Die Pferde stehen auf einer Grünfläche, auf der auch Bäume stehen. Wir können ausreisen, um im nächsten Dorf Lebensmittel einzukaufen. Der Fahrdienst bringt Treckmitglieder Richtung Bulgarien, weil sie dringend wegen eines Notfalls zurück nach Hause müssen, und versorgt uns zugleich mit Heu für unsere Pferde, das wir beim bulgarischen Bauern kaufen.“ Gegen Langeweile sorgt der Treckalltag, der auch bei Stillstand von allen Einsatz fordert. Die Pferde müssen versorgt, für die Menschen muss Essen bereitet werden. Die Pferde, zumindest die Freiberger von Heinz Bley, genießen die Ruhetage, während die Kutscher mit ihren Ponys am Grenzübergang Parcoursfahren üben. Zollbeamte schauen immer mal wieder vorbei, trinken einen Kaffee und plauschen.

„Kein Grund also, sich aufzuregen“, findet Bley. Dass Jerusalem nicht erreicht wird vom Friedenstreck, kann sich der Crawinkler gar nicht vorstellen. Er ist sicher, dass die Friedensglocke am 24. Dezember übergeben wird, so wie vorgesehen. Zwar haben die türkischen Behörden erklärt, dass Syrien zu meiden sei, doch konnte Pfarrer Kauz schließlich die Einladung der Syrischen Pferdeförderation und des syrischen Gesundheitsministeriums vorlegen. „Deshalb wollen wir Syrien nicht auslassen. Solche Einladungen verheißen auch interessante Treffen. Wenn alle Stricke reißen, können wir die Pferde verladen und nach Haifa fliegen lassen. Aber das ist die allerletzte Möglichkeit“, ist sich der Thüringer sicher.

Foto: Die Mitglieder des Friedenstreck | © Friedensglocken e. V.