Regionalmanagement Thüringer Bogen:
Digitalisierung vernichtet Arbeitsplätze. „Darüber kann man streiten“, sagt Ronny Goldonienko. „Mittels Digitalisierung können durchaus Stellen geschaffen werden“, erklärt der Betriebsleiter von MantaMesh, der Online Manufaktur im beschaulichen Fröttstädt. Und er führt sogleich das Unternehmen als Beispiel für seine Aussage ins Feld. Dort werden Drahtgitterböden und Rückwandsysteme hergestellt – mittels perfekt vernetzter Produktionslinien. Das dürfte ein Grund sein, weshalb MantaMesh für den Zukunftspreis 2026 in Thüringen nominiert ist. Ein weiterer ist sicherlich, dass trotz aller Digitalisierung die Mitarbeiter keineswegs fünftes Rad am Wagen sind. Alljährlich würdigen die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt sowie die Handwerkskammer (HWK) Erfurt Firmen, die mit ihren Projekten und Innovationen erfolgreich am Markt agieren. MantaMesh ist eines von drei Unternehmen im Landkreis Gotha, die in diesem Jahr auf der Liste stehen.
Stephen Eddowes übernahm 1998 die 1984 in Sydney gegründete Firma und feilte von Anfang an daran in Australien Marktführer zu sein. Mit Drahtgitterböden und den Rückwandsystemen überzeugte der Unternehmen rasch seine Kunden. Eddowes Plan, mit seinen Produkten in Europa Fuß zu fassen, verhinderten jedoch die hohen Transportkosten. Allerdings zeigte sich, dass seine Produkte in der alten Welt in der Tat auf großes Interesse stießen. Folglich entschloss sich der Unternehmer hier eine zweite Produktionsstätte zu errichten. Stephen Eddowes reiste nach Deutschland, nahm Kontakt auf zu einschlägigen Wirtschaftsförderern und landete auf diese Weise auch bei der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft (LEG). Auf deren Vermittlung kam der Mann aus Sydney schließlich in die Landgemeinde Hörsel.
Zu dieser Zeit hatte Ronny Goldonienko im dortigen Ortsteil Fröttstädt eine Halle für ein Projekt angemietet, das sich jedoch zerschlagen hatte. Also wollte er das Objekt so schnell wie möglich abstoßen. Dank LEG-Vermittlung fanden die Herren zueinander. „Erstaunlicherweise erfüllte die Halle alle Bedingungen, die der Australier an seine künftige Produktionsstätte stellte“, erinnert sich Goldonienko, „so, als sei sie speziell dafür gebaut worden.“ Das überzeugte, ebenso die Lage in der Mitte Deutschlands. Hinzu kam, dass sich die beiden Männer sympathisch waren, so dass der Australier den Deutschen fragte, ob er sich vorstellen könne, mit ihm das Werk aufzubauen. Der heutige Betriebsleiter sagte zu und Eddowes zog samt Familie für diese Zeit nach Thüringen. Die Einrichtung des Werkes begann 2013, ein Jahr später bereits starte die Produktion.
Was nun macht MantaMesh so besonders? „Es ist denkbar einfach mit uns Kontakt aufzunehmen und unsere Produkte zu bestellen“, sagt Ronny Goldonienko. „Egal wo in der Welt der Kunde sitzt.“ Wer sich auf der Website registriert, bekommt Zugriff auf das MantaMesh-Portal. Hier kann er die Bestellung entsprechend seinen Wünschen konfigurieren – und mit einem Klick abschicken. Der Auftrag wird in Echtzeit an die Maschinen in Fröttstädt oder in Sydney weitergegeben. Dort verweilt er entweder in einer Warteschlange oder wird augenblicklich realisiert. Welchen Status dieser im Augenblick hat, kann der Betriebsleiter zu jeder Zeit über seinen Computer abrufen. „Meist sorgen die Kunden selbst für die Abholung, im gegenteiligen Fall übernehmen wir den Versand.“ Mittlerweile liefert der Betrieb mit rund 25 Mitarbeitern Drahtgitterböden und Rückwände in 22 Länder. Der Besuch von täglich über 1000 Nutzern auf der Website sei durchaus normal, freut sich Goldonienko. Allein 2025 produzierte und lieferte das Werk in Fröttstädt 750 000 Gitterböden, genau wie von den Kunden vorab im Netz zusammengestellt.
Ungeachtet aller intelligenten Systeme ersetzt Digitalisierung keineswegs die Notwendigkeit von Mitarbeitern aus Fleisch und Blut. Denn diese stehen für Urteilskraft, Kreativität oder soziale Kompetenz. Der Betriebsleiter erklärt, dass alle Beschäftigten in der Lage sind, das System zu bedienen. „Um das zu erreichen, dauert die Einarbeitungszeit bei MantaMesh länger als gewöhnlich. Doch das zahlt sich aus.“ Aktuell sucht Ronny Goldonienko händeringend weitere Mitstreiter für das Unternehmen, das im Drei-Schicht-System produziert.
In Thüringen wurde MantaMesh als Hidden Champion, also heimlicher Weltmarktführer ausgezeichnet. Das Weltwirtschaftsforum nahm die Firma im Global Lighthouse Netzwerk auf, einem Zusammenschluss von Fabriken und Unternehmen, die als Vorreiter der digitalen, technologiebasierten Industrie‑Transformation gelten.
Foto: Ronny Goldonienko | © Simmen