Regionalmanagement Thüringer Bogen:

Nicht wenige Biobauern schmeißen derzeit das Handtuch. Obwohl der Anbau ihrer Produkte zertifiziert ist, verkaufen sie ihre Ware als konventionell erzeugt. Oder sie kehren gleich dem biologischen Anbau den Rücken. Grund dafür ist der Kostendruck. Biofutter für die Tiere hat sich deutlich verteuert. Das wirkt sich auf den Verbraucherpreis aus. Im Ergebnis bleiben die Kunden weg.

Reiko Wöllert von der Hofkäserei Burgmühle nickt. Die Probleme sind bekannt. „Allerdings spüren wir hier in Haina nichts davon“, sagt er. Die Kunden sind treu, der Stamm wächst, daran hat sich auch nichts geändert, als er die Preise anheben musste. Er ist sicher, es sind die kleinen Betriebe, die aufgeben müssen, vor allem solche, die nicht ausreichend vernetzt sind.

Wöllert ist seit Februar 2015 Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland und seit November 2016 auch stellvertretender Bundesvorsitzender der AbL. Als solcher weiß er, wie wichtig die Gemeinschaft ist. Da werden frühzeitig Strategien entwickelt, wie möglichen Problemen entgegengewirkt werden kann, sagt er. „Und es gibt Unterstützung, wenn ein Bio-Landwirt beschließt, seine Milch eben nicht mehr an die Molkerei zu liefern, sondern selbst zu vermarkten.“

Dass die Bio-Käserei in Haina treue Kunden hat, kommt nicht von ungefähr. „Man muss auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen“, sagt Wöllert, „und auch mal Sonderwünsche erfüllen. Und konsequent die Qualität halten.“ Mittlerweile hat der Betrieb, den Reiko mit seiner Frau Karin betreibt, mehr als 25 Käsesorten im Angebot. Seit einigen Jahren hat sich zum Ziegen- auch Kuhmilchkäse gesellt. Es gibt Wurstsorten von Schweinen, die mit reichlich Auslauf aufwachsen dürfen. Und zur Schlachtzeit bietet die Burgmühle Fleischpakete von ökologisch aufgezogenen Ziegenlämmern, Schweinen und Rindern. Eier von freilaufenden Hühnern und frisches Brot vervollständigen das Angebot. Längst kann der kleine Laden das üppige Angebot nicht mehr fassen. „Anfangs mussten wir die wenigen Käsesorten geschickt drapieren“, erinnert er sich. Heute platzt der Laden aus allen Nähten. Doch die Zeit ist absehbar, in dem die Bioproduzenten ihre Waren im neuen Laden anbieten werden. Auf dem Hof entsteht gegenwärtig ein Mehrzweckgebäude, eines, das die Philosophie der Burgmühlen-Bewohner widerspiegelt. Es wird nicht nur dem Verkauf dienen, sondern auch Raum für allerlei kulturelle Veranstaltungen bieten. Und es ist komplett kompostierbar. Auch wenn gegenwärtig daran niemand einen Gedanken verschwendet. Das über Crowdfunding aufgebaute Gebäude soll im nächsten Jahr fertig sein.

Dass die Wöllerts überhaupt Käse machen, hat das damalige Thüringer Landesmediengesetz zu verantworten. Anfang der 90er Jahre wollte Reiko gemeinsam mit Gleichgesinnten in Erfurt ein werbefreies Bürgerradio aufbauen. Derartiges war im Freistaat nicht vorgesehen. Also suchten die Mitglieder des Vereins für kommunikative Medien und Lebensformen, der sich mittlerweile gegründet hatte, nach einer Alternative. Und die hieß Jugendbegegnungsstätte. Dafür brauchte es jedoch Räumlichkeiten. Die fanden Wöllert und seine Mitstreiter schließlich in der Burgmühle nahe Haina. Das war 1993. „Und ab da begannen die guten Jahre für die Burgmühle – für die Menschen und für die Tiere gleichsam“, sagt Reiko. Weil Stallungen und Wiese vorhanden waren, kam die erste Ziege auf den Hof, dann eine weitere, sogar eine Kuh folgte. „Unsere Idee war, uns selbst zu versorgen. Deshalb begannen wir auch zu käsen. Was auf den Tisch kam, hatte durchaus wechselnde Qualität“, blickt der Bio-Landwirt augenzwinkernd auf diese Jahre zurück. Das änderte sich und bald wurde mehr Milch zu Käse, als die Gruppe verzehren konnte. „Und den Überhang haben wir dann kurzerhand verkauft.“

Heute stehen 40 Ziegen, Thüringer Wald- und Deutsche Bunte Edelziegen, auf den Wiesen im Nessetal. Sechs Milchkühe sind der Garant für etliche Käsesorten und zehn Schweine wachsen ohne industrielle Mast und mit Auslauf auf dem Bio-Hof auf. Wenn Tiere schlachtreif sind, legt der Bio-Bauer großen Wert darauf, dass sie auf kurzem Wege stressfrei getötet werden. Fleischermeister Rolf Schenk in Schmerbach zerlegt und verwurstet die Tiere.

Damit für diesen Hof, aber auch natürlich für andere, Nachwuchs vorhanden ist, bilden die Wöllerts jedes Jahr zwei Landwirte aus, die sich nach drei Jahren biologisch-dynamischer Landwirt nennen dürfen. Die Hofkäserei in Haina ist an ihre Grenzen gestoßen. Noch mehr Ziegen trage der Hof nicht, sagt Wöllert. „Wir müssen auch nicht noch mehr Käse produzieren, nein, es braucht einfach mehr kleine Käsereien.“

Bild: Bio-Landwirt Reiko Möller von der Burgmühle in Haina, der eigentlich werbefreies Bürgerradio machen wollte, doch schließlich besten Käse von glücklichen Ziegen und Kühen produziert. | © Klaus-Dieter Simmen

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